OSTERINSEL - Diverses

Auch Rapa Nui, (spanisch Isla de Pascua), zu Chile gehörige Insel im Südpazifik, etwa 3 700 Kilometer westlich der nordchilenischen Küste.
Die Insel besteht aus drei erloschenen Vulkanen und hat eine Fläche von etwa 180 Quadratkilometern. Das Klima ist subtropisch und ganzjährig warm, es herrschen starke Passatwinde vor, und die Niederschläge betragen etwa 1 300 Millimeter jährlich. Die einheimische Vegetation besteht aufgrund der langjährigen Beweidung überwiegend aus Grasland. Auf dem fruchtbaren, vulkanischen Boden werden Kartoffeln, Zuckerrohr, Taro, Tabak und verschiedene tropische Früchte angebaut. Das Frischwasser stammt im Wesentlichen aus den Kraterseen, in denen sich der Regen sammelt. 1722, als die ersten Europäer auf die Insel kamen, lebten hier mehrere tausend Polynesier. Ihre Zahl ging jedoch durch eingeschleppte Krankheiten und durch ihren Einsatz als Zwangsarbeiter beim Abbau von Guano an der peruanischen Küste bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf weniger als 200 zurück. Mischehen zwischen Polynesiern und Chilenen sind häufig. Die Einwohnerzahl liegt bei 1 900.

Den Namen erhielt die Osterinsel durch den niederländischen Forscher Jakob Roggeveen, der am Ostersonntag 1722 dort landete. 1888 annektierte die chilenische Regierung die Insel, überließ der ursprünglichen Bevölkerung jedoch ein Gebiet an der Westküste. Der übrige Teil der Insel ist überwiegend Weideland für Schafe und Rinder.

Die Osterinsel ist von großer archäologischer Bedeutung. Ihre Bewohner schufen eine eigene Kultur, die sich durch Megalithbauten auszeichnet. Das von ihnen entwickelte Schriftsystem, RongoRongo genannt, ist die bisher einzige Schriftform in Polynesien, wobei jedoch unklar ist, ob diese ursprünglich ist oder erst unter dem Einfluss der Europäer entstand.

Über die Menschen, die diese Megalithbauten schufen und die Schriftzeichen in die Holztafeln einritzten, ist wenig bekannt. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Osterinsel vor etwa 1 500 Jahren besiedelt wurde, andere behaupten, dass die Besiedlung erst später erfolgte. Die häufig vertretene Theorie, dass die Ureinwohner der Insel aus Südamerika stammten, gilt heute als unhaltbar. Archäologische und botanische Funde lassen vielmehr vermuten, dass die Vorfahren der heutigen polynesischen Bevölkerung mit Kanus von den Marquesas-Inseln in Ostpolynesien gekommen sind. Vermutet werden zwei Besiedlungswellen mit Menschen verschiedenen polynesischen Ursprungs. Viele Archäologen glauben, dass es zwischen beiden Gruppen wiederholt Kämpfe gab und dabei zahlreiche der Megalithen – vermutlich ehemals etwa 600 Statuen – zerstört wurden.

Die größten der heute noch vorhandenen Steinmonumente sind die großen Grabanlagen, die so genannten Ahus, auf denen mehrere Reihen monumentaler Statuen standen. Die Ahus befanden sich an Steilufern und anderen Stellen mit einem Blick über das Meer. Jeder Ahu bestand aus Steinblöcken, die genau aufeinanderpassten und ohne Mörtel zusammengefügt waren. Zu einer Grabanlage gehörten gewöhnlich vier bis sechs Statuen, doch gibt es einen Ahu, den Tongariki, mit 15 Statuen. In vielen Ahus gibt es Gewölbe mit Einzel- oder Gruppengräbern.

Auf der Insel stehen insgesamt noch etwa 100 Statuen, die zwischen drei und zwölf Meter hoch sind. Sie sind aus dunklem Tuffstein gehauen, einem weichen Vulkangestein, und bestehen aus Oberkörpern mit überdimensionalen Köpfen. Das Material für die Statuen stammte aus einem Steinbruch im Krater Rano Raraku, wo Forscher eine riesige, unvollendete Statue von 21 Meter Länge fanden. Viele Statuen auf den Grabanlagen trugen außerdem eine Art zylindrischer Krone oder Kopfschmuck aus rotem Tuffstein mit einem zentralen, nach oben ragenden Aufsatz. Teilweise finden sich noch die eingesetzten Augen aus hellen Knochen und dunklem Obsidian in den Köpfen.

Bei den Ausgrabungen wurden auch versteckt liegende Höhlen freigelegt, in denen sich verwitterte Überreste von Tafeln und Holzbildern und zahlreiche kleine Holzfiguren befanden. In diese Tafeln waren Zeichen mit der Osterinsel-Schrift eingeritzt, die stilisierte Figuren enthielt und vermutlich eine Art Bilderschrift darstellt.

Megaltihbauten

Große, grob geschliffene Steine, die entweder alleine stehen oder in Kombination mit anderen eine Struktur bilden. Sie wurden für religiöse Zwecke, als Begräbnisstätten oder als Denkmäler bemerkenswerter Ereignisse errichtet. Megalithbauten sind in allen Teilen der Welt zu finden. Die westeuropäischen stammen aus vorgeschichtlichen Zeiten und werden insbesondere mit der Neusteinzeit und der Bronzezeit in Verbindung gebracht. Die Megalithbauten in Indien stammen aus den ersten Jahrhunderten des Christentums und die der Osterinsel wahrscheinlich aus der Zeit des europäischen Mittelalters. In einigen Gebieten Indonesiens und im indischen Assam werden noch immer Megalithbauten errichtet.

Die größten Anhäufungen von Megalithbauten finden sich u. a. auf den Britischen Inseln, in Westfrankreich, in Belgien, Spanien, Portugal, auf den westlichen Mittelmeerinseln, in Skandinavien, Nordafrika, auf der Krim, im Kaukasus und im Nahen Osten, im Hochland des Iran, in Japan und Birma, im indischen Assam und dem Hochland von Dekkan sowie auf den südpazifischen Inseln, insbesondere auf der Osterinsel. Ein ägyptisch-amerikanisches Forscherteam berichtete 1998 in der Zeitschrift Nature über den Fund eines knapp 6 000 Jahre alten Steinkreises im Nabta-Tal in der ägyptischen Wüste. Der Steinkreis entstand vermutlich in einer feuchten Klimaperiode; er könnte dazu gedient haben, den Zeitpunkt der Sommersonnenwende und den Beginn der Monsunregen zu bestimmen.

Die europäischen Megalithbauten werden gewöhnlich in vier Klassen eingeteilt: der Menhir bzw. Monolith, ein einzeln stehender Stein, der oft sehr groß ist; der Steinkreis, der aus vielen Monolithen besteht, wie z. B. in Stonehenge und Avebury in England oder in Callanish in Schottland; die Steinreihe, wie z. B. im französischen Carnac; und die Megalithgräber, deren Wände üblicherweise aus Monolithen bestanden und mit Decksteinen und falschen Gewölben bedeckt waren. Die am weitesten verbreitete Form von Megalithbauten in Westeuropa sind die manchmal als Dolmen bezeichneten Grabkammern. Von ihnen sind über 50 000 erhalten. Die meisten Grabkammern waren ursprünglich so mit Erde bedeckt, dass sie Hügel bildeten. Viele von ihnen sind in der Zwischenzeit erodiert, so dass nur die Steine übrig geblieben sind. Man kann drei Arten von Grabkammern unterscheiden: die Dolmen oder Einzelgrabkammern; die Ganggräber, in denen die Kammer durch einen Gang erreicht wird; und die Galeriegräber oder allées couvertes, lange, rechteckige Kammern. Das Innere der Wände und Dächer einiger Gräber ist mit geometrischen Motiven oder Darstellungen aus der Natur verziert.

Die Megalithbauten, die auf den Inseln Polynesiens, Melanesiens und Mikronesiens zu finden sind, haben oft Wände und Plattformen aus unbearbeitetem Stein und bestehen im Allgemeinen aus zyklopischem Mauerwerk, das ohne Zement errichtet wurde. Nur drei dieser Megalithen unterscheiden sich hiervon: der Trilithon in der Stadt Mua auf der Insel Tongatapu, der auf zwei Pfeilern gebaut ist, die ein Querteil tragen; die riesigen Statuen, die sich über den ahu, den Grabplattformen auf der Osterinsel, erheben und aus gepresster Vulkanasche geschnitzt sind; und die Gruppierungen bei Tinian auf den Marianen-Inseln, die aus Gruppen von kegelförmigen Korallensäulen bestehen, die als Lat’te bezeichnet werden und aus mit Zement zusammengefügten Korallenschichten bestehen.

RongoRongo

Historisches Schriftsystem der traditionellen Osterinselkultur.

Von der Osterinsel sind zahlreiche Holztafeln mit langen Reihen kunstvoll eingeritzter Bilderschriftzeichen erhalten, die von den heutigen Bewohnern der Insel nicht mehr entziffert werden können. Abgesehen von rudimentären Informationen über die RongoRongo genannten Zeichen ging das Wissen um die alte Schrift wohl spätestens in der Mitte des 19. Jahrhunderts verloren, als die Osterinselbevölkerung durch Verschleppung in die Sklaverei und durch Pockenepidemien stark dezimiert wurde. Damals wurden auch nicht wenige RongoRongo-Tafeln von Missionaren vernichtet, die durch sie heidnische Inhalte transportiert sahen.

Wissenschaftler hingegen haben den Piktogrammen zunächst jeglichen Charakter einer echten Schrift abgesprochen, da die Erfindung der Schrift als Merkmal von frühen Hochkulturen nicht zu dem Bild von der Osterinselkultur als steinzeitlicher Stammesgesellschaft passte. Man hielt die Zeichen für ein mnemotechnisches System, also eine Gedächtnisstütze für die Rezitation mythischer oder kultischer Gesänge, oder für eine reine Bilderschrift, die nicht Sprache wiedergebe, sondern an das ausgestorbene Wissen traditioneller Erzähler oder Sänger gebunden sei. Deshalb glaubte man auch nicht, dass die RongoRongo-Tafeln jemals entziffert werden könnten.

Inzwischen konnte jedoch der deutsche Ethnolinguist Thomas Barthel nachweisen, dass es sich um eine wirkliche Schrift handelt, deren Zeichen nicht nur ideographisch genutzt wurden, sondern auch Lautwerte transportierten. Er identifizierte mehr als 1 000 Schriftzeichen, die aus 120 Grundformen zusammengesetzt sind, und stellte sie in Formentafeln zusammen, die eine Grundlage zur Entzifferung der Osterinselschrift bieten. Zwar ist der RongoRongo-Forschung bis heute noch keine vollständige Entzifferung gelungen, doch konnten vor allem zahlreiche Eigennamen von Personen und Orten sowie kalendarische und astronomische Begriffe rekonstruiert werden.

Besonders wichtig ist der Zusammenhang der Texte mit der mündlichen Überlieferung der Insulaner. So enthalten einige RongoRongo-Tafeln offensichtlich Reisebeschreibungen, die mit einem aus den Legenden bekannten Bericht über die Ankunft von schriftkundigen Einwanderern unter der Führung eines gewissen Hotu Matua auf der Osterinsel in Verbindung gebracht werden können. Wissenschaftlich war zwar weitgehend anerkannt, dass die Darstellungen der Legende auf ein historisches Ereignis aus der Zeit zwischen 1300 und 1600 n. Chr. zurückgehen, doch blieb lange umstritten, ob die neuen Siedler, die wahrscheinlich die RongoRongo-Kenntnisse mitbrachten, aus Asien oder aus Amerika gekommen waren. Inzwischen konnte jedoch anhand von Ortsnamen auf den RongoRongo-Tafeln wahrscheinlich gemacht werden, dass diese Einwanderer ebenso wie die ersten Besiedler der Osterinsel polynesische Seefahrer aus dem Gebiet der Gesellschaftsinseln waren.

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