Kanada - Wirtschaft

Verwaltung

Nach der Verfassung von 1982 ist Kanada eine föderalistisch strukturierte, parlamentarische Monarchie innerhalb des Commonwealth of Nations. Die Verfassung betont die Eigenständigkeit des Landes und beseitigt jegliche Eingriffsmöglichkeit Großbritanniens in kanadische Angelegenheiten. Ein wichtiges Element des Gesetzeswerkes ist der Schutz der Rechte der Ureinwohner. Die zehn Provinzen haben eigene Regierungen und Parlamente und verfügen über weitgehende Selbstbestimmung. Die drei Bundesterritorien sind direkt der Zentralregierung unterstellt.

An der Spitze der kanadischen Regierung steht der Premierminister, der vom Generalgouverneur ernannt wird. Premierminister und Kabinett sind dem Parlament verantwortlich.

Die gesetzgebende Gewalt liegt beim Zweikammerparlament, das sich aus dem Senat (mit maximal 112 vom Generalgouverneur ernannten Vertretern der Provinzen) und dem Unterhaus (House of Commons mit 301 – davon 75 aus der Provinz Quebec – vom Volk nach dem Mehrheitswahlrecht gewählten Mitgliedern) zusammensetzt. Bei der Gesetzgebung wirken beide Kammern zusammen.

Die Rechtsprechung orientiert sich am britischen, in der Provinz Quebec am französischen Vorbild. Höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) in Ottawa, der sich aus dem Vorsitzenden und acht weiteren Richtern zusammensetzt. Die Provinzen besitzen eigene Gerichte.

Politik

Das politische Geschehen wurde lange Zeit von zwei großen Parteien bestimmt, der Liberal Party (Liberale Partei, LP) und der Progressive Conservative Party (Fortschrittlich-Konservative Partei, PCP). Beide lösten sich wiederholt in der Führung der Regierung ab. Während die LP ihre dominierende Rolle behaupten konnte, verlor die PCP nach der Schwächung durch interne Flügelkämpfe stark an Gewicht. Stärkste konservative Gruppierung wurde die Reform Party, die sich jedoch im April 2000 auflöste, um sich als Sammelbecken für das zersplitterte konservative Parteienspektrum anzubieten. Gemeinsam mit abgespaltenen Gruppen der PCP konstituierte sie sich unter der Bezeichnung Canadian Alliance neu. Der Bloc Québécois (BQ) ist als Abspaltung der Konservativen auf Quebec beschränkt und vertritt die Autonomie dieser Provinz. Die New Democratic Party (NDP) ist sozialdemokratisch orientiert.

Wirtschaft

Kanada war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein typisches Agrarland, zählt inzwischen aber zu den höchstindustrialisierten Staaten der Erde. Das produzierende Gewerbe verarbeitet vorwiegend die ergiebigen Rohstoffe, die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau liefern. Die Wirtschaft des Landes wird durch die engen Verflechtungen mit den USA gekennzeichnet. Jedes Land ist der wichtigste Handelspartner des anderen. Das kanadische Wirtschaftspotential ist regional sehr unterschiedlich verteilt. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 694 475 Millionen US-Dollar (2001).

Der Agrarsektor stellt das Rückgrat der kanadischen Wirtschaft dar. Hauptanbauprodukt ist Weizen, der vorwiegend in den Provinzen Alberta, Manitoba und Saskatchewan kultiviert wird. Diese Region zählt zu den ausgedehntesten Weizenanbaugebieten der Erde und liefert 16 Prozent der weltweiten Weizenproduktion. Etwa drei Viertel der Ernte werden exportiert, womit Kanada nach den USA größter Weizenexporteur ist. Weitere Anbauprodukte sind Gerste, Mais, Kartoffeln, Raps, Zuckerrüben, Obst (vor allem Äpfel), Tabak und Sojabohnen. Milchviehwirtschaft in größerem Umfang wird in den Provinzen Quebec und Ontario betrieben, Viehzucht außerdem in Alberta. Auch die Pelztierzucht hat sich zu einem rentablen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Vor allem in den nördlichen Landesteilen gibt es zahlreiche Nerz- und Fuchsfarmen. Zudem werden Biber, Kojoten und Sattelrobben wegen ihrer Felle gejagt.

Etwa 26,5 Prozent der Landesfläche sind waldbedeckt (2000), 90 Prozent davon befinden sich in Staatsbesitz. Kanada zählt zu den weltweit größten Produzenten von Holz und Holzerzeugnissen. Mehr als 150 Baumarten wachsen in den Wäldern. Rund 80 Prozent des Bestands sind Nadelhölzer wie Fichten, Douglasien und Zedern.

Die Gebiete vor der kanadischen Küste sind überaus ergiebige Fischgründe. Besonders mit Thunfisch, Kabeljau, Schellfisch, Makrele und Hummer werden hohe Fangquoten erzielt. Darüber hinaus wird Fischfang (vor allem Lachs) in den Seen und Flüssen betrieben.

Kanada verfügt über ein großes Rohstoffpotential. Bis auf wenige Erze wie Chrom und Mangan werden alle für die Industrie benötigten Rohstoffe gefördert. Bei einigen Bodenschätzen wie Nickel, Kupfer, Blei, Zink, Asbest, Platin, Gold und Silber gehört Kanada zu den bedeutendsten Förderländern. Darüber hinaus ist es weltweit führender Uranproduzent. Auch bei fossilen Energieträgern wie Erdöl und Erdgas gibt es vor allem in Alberta überaus reichhaltige Vorkommen. Kanada ist weitgehend unabhängig von Energieimporten. Die Energieversorgung beruht vorwiegend auf Erdöl und Erdgas. Daneben spielt die Energieerzeugung durch Wasserkraftwerke eine wichtige Rolle, während die Bedeutung der Kohle als Energieträger rückläufig ist. In den Provinzen Quebec und Newfoundland and Labrador wird fast der gesamte benötigte Strom in Wasserkraftwerken erzeugt. Die Kernenergie deckt ungefähr 19 Prozent des landesweiten Energiebedarfs. Zwei der insgesamt 22 Kernreaktoren stehen in Ontario.

Die wichtigsten Produktionszweige sind Maschinen- und Fahrzeugbau, Erdölverarbeitung, Elektrotechnik, Textil- und Papierindustrie, Herstellung von chemischen Erzeugnissen sowie die Verarbeitung von Holz und Nahrungsmitteln. Die bedeutendsten Industriestandorte liegen in den Provinzen Ontario, Quebec und British Columbia.

Offizielle Währung des Landes ist der Kanadische Dollar (kan $) zu 100 Cents (c). Aufgrund der vergleichsweise geringen Bevölkerung ist Kanada die einzige der führenden Industrienationen, die sich nicht auf einen intensiven Inlandsmarkt stützen kann. Somit kommt dem Export eine bedeutende Rolle zu. Das Land zählt zu den führenden Welthandelsnationen. Etwa drei Viertel des Außenhandels sind auf die USA ausgerichtet; weitere wichtige Handelspartner sind Japan und die Staaten der Europäischen Union (vor allem Großbritannien und Deutschland). Ausgeführt werden vor allem Fahrzeuge, Maschinen, Papier, Erdöl, Erze, Holz und Getreide. Hauptimportgüter sind Maschinen, Stahlprodukte, optische und chemische Erzeugnisse sowie Nahrungs- und Genussmittel.

Der Fremdenverkehr ist ein wichtiger Zweig der kanadischen Wirtschaft. 90 Prozent der Besucher kommen aus den USA. Ein hoher Anteil entfällt auf Geschäftsreisende, was die engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern widerspiegelt. Urlauber werden vor allem von der vielgestaltigen Landschaft angezogen. Bevorzugte Ziele sind die Nationalparks im Westen des Landes, die Niagarafälle im Südosten sowie die Städte Montreal, Quebec und Vancouver. 1999 kamen fast 20 Millionen Besucher aus dem Ausland nach Kanada.

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