CHILE - Wirtschaft

Verwaltung und Politik

Das politische System Chiles basierte bis zum Staatsstreich im Jahr 1973 auf der Verfassung von 1925. Obwohl auch danach die Verfassung nominell in Kraft blieb, wurden die meisten Klauseln mit der Begründung ausgesetzt, dadurch die Volksdemokratie und ordentliche Gerichtsverfahren garantieren zu können. Eine neue Verfassung wurde zwar 1980 verabschiedet (sie trat im folgenden Jahr in Kraft), die wesentlichen Grundgesetze aber erst 1989 hinzugefügt. Chile ist demnach eine Präsidialrepublik. Die letzte Verfassungsänderung stammt aus dem Jahr 1991. Nationalfeiertag ist der 18. September (Unabhängigkeitstag), der an die Ablösung des spanischen Generalkapitäns durch eine Junta zur Zeit der Unabhängigkeitsbestrebungen im Jahr 1810 erinnert.

Exekutive
Die Exekutivgewalt hält der Präsident inne; er wird alle sechs Jahre vom Volk gewählt und ernennt das Kabinett. Die ersten freien Präsidentschaftswahlen fanden 1989 statt. Eine unmittelbare Wiederwahl des Amtsinhabers ist nicht möglich.

Legislative
Das Parlament (Congreso Nacional) besteht aus dem Abgeordnetenhaus, dessen 120 Mitglieder für vier Jahre gewählt werden, und dem Senat mit 47 Mitgliedern, von denen 38 frei gewählt und neun auf Lebenszeit ernannt werden (zwei davon durch den Präsidenten, drei durch das oberste Gericht und vier durch den Nationalen Sicherheitsrat). Es besteht Wahlpflicht für Bürger ab 18 Jahren.

Judikative
Die höchste richterliche Gewalt wird in Chile vom Obersten Gerichtshof ausgeübt, der aus 16 Richtern besteht. Daneben gibt es im Land 17 Berufungsgerichtshöfe. Die Richter werden auf Lebenszeit vom Präsidenten und auf Empfehlung der obersten Richter ernannt. Das Verfassungsgericht ist befugt, Parteien mit antidemokratischen Zielen zu verbieten. Das chilenische Rechtssystem entstand auf Basis des französischen und des spanischen Rechtswesens.

Kommunalverwaltung
Chile gliedert sich verwaltungsmäßig in zwölf Regionen und die Hauptstadtregion Santiago. Die Regionen sind wiederum in insgesamt 50 Provinzen unterteilt. Die Gouverneure, die den einzelnen Regionen vorstehen, sowie die Regierungsbeamten der Provinzen werden vom Präsidenten bestimmt.

Politische Parteien
Nach dem Militärputsch von 1973 wurden alle politischen Aktivitäten untersagt und bis 1977 strafrechtlich verfolgt. Politische Parteien wurden erst 1987 wieder zugelassen. Zu den wichtigsten Gruppierungen gehört die Concertación de Partidos por la Democracia (CPPD); sie besteht aus Christdemokratischer Partei (Partido Demócrata Cristiano, PDC), Sozialdemokratischer Partei (Partido por la Democracia, PPD), Sozialistischer Partei (Partido Socialista, PS) und Radikaler Sozialdemokratischer Partei (Radical Socialdemócrata, PRSD). Dieser Gruppe steht das Rechtsbündnis Alianza por Chile gegenüber, bestehend aus Nationaler Erneuerungspartei (Renovación Nacional, RN), Unabhängiger Demokratischer Union (Unión Demócrata Independiente, UDI) und einigen kleineren Parteien.

Wirtschaft

In der Wirtschaft Chiles dominiert seit dem frühen 20. Jahrhundert der Abbau von Kupfer; das Land ist der größte Kupferproduzent der Welt. Das Metall bildet daher eine wichtige Grundlage für die chilenische Wirtschaft und macht einen Großteil des Exportvolumens aus. Seit den vierziger Jahren haben sich aber auch andere Bereiche des industriellen Sektors durch verschiedene Regierungsmaßnahmen stark und vielseitig entwickelt. Heute gehört Chile zu den führenden Industrienationen Lateinamerikas sowie zu den größten Rohstoffproduzenten. In den siebziger Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, den Ertrag der vernachlässigten Landwirtschaft zu erhöhen und damit die Importabhängigkeit des Landes bei den Nahrungsmitteln herabzusetzen. Nach einem Rückgang der Getreideproduktion in den frühen achtziger Jahren hatte sich der Ertrag am Ende des Jahrzehnts wieder verbessert. Dennoch hat die Landwirtschaft insgesamt einen vergleichsweise geringen Anteil an der gesamten Wirtschaft von nur etwa 8,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, gegenüber der Industrie mit 34,3 Prozent und dem Dienstleistungsgewerbe mit 56,9 Prozent (2001). Das Bruttoinlandsprodukt beträgt insgesamt 66 450 Millionen US-Dollar (2001). Mittlerweile zählen die Wachstumsraten der chilenischen Wirtschaft zu den höchsten in ganz Südamerika.

Landwirtschaft
Etwa 14 Prozent der Arbeitskräfte sind in der Landwirtschaft beschäftigt (1998). Mit Ausnahme der überwiegend im tiefen Süden durchgeführten Schafzucht konzentriert sich die landwirtschaftliche Aktivität in Chile auf das Große Längstal. Die 1960 entwickelten Programme zur Landreform dienten dazu, den Landbesitz der Großgrundbesitzer aufzuteilen. Mit Hilfe moderner Techniken ließ sich auch die Produktivität steigern. Etwa sieben Prozent der Gesamtfläche Chiles werden landwirtschaftlich genutzt.

Zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten zählen Weizen, Mais, Kartoffeln, Obst und Gemüse (vor allem Tomaten), Zuckerrüben, Reis und Hafer. Die Obsternte besteht im Wesentlichen aus Grapefruits, Melonen, Äpfeln, Pfirsichen, Aprikosen, Pflaumen und Kirschen. Darüber hinaus hat sich in den letzten Jahren der Weinbau etabliert. Chilenische Weine sind mittlerweile auch im Ausland gefragt. Die Schafzucht wird in Feuerland und Patagonien in großem Umfang betrieben. Der Viehbestand umfasst vor allem Schafe, Rinder, Schweine und Pferde; die Bedeutung der Geflügelzucht nimmt zu.

Forstwirtschaft und Fischerei
20,8 Prozent der chilenischen Gesamtfläche sind bewaldet (2000). Der Holzeinschlag umfasst sowohl Nadelhölzer (insbesondere Kiefern) als auch Laubhölzer wie etwa Eucalyptus. Das Holz findet Verwendung in der Bauindustrie oder dient als Grundlage für die Papierherstellung. Die Holzindustrie wurde seit Mitte der siebziger Jahre durch kräftige Investitionen gestützt und hat einen Anteil von etwa zehn Prozent am Gesamtexport.

Die Fischfangindustrie Chiles zählt zu den größten in Südamerika. Der jährliche Fang in den reichen Fischgründen des Landes umfasst 5,32 Millionen Tonnen. Zu den wichtigsten Fischen zählen Sardinen, Sardellen, Makrelen und Seehechte. In den Fischverarbeitungsfabriken wird ein Großteil des Fanges für den Vertrieb verpackt.

Bergbau
Chile verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt. Laut UN-Angaben wird der Anteil an Kupfer in chilenischen Lagerstätten auf 40 Prozent des Weltvorrates geschätzt. Das Metall nimmt den größten Stellenwert beim Export ein, der Anteil beträgt etwa 35 Prozent des jährlichen Exportvolumens. Rohöl und Erdgas (erstmalig 1945 entdeckt) werden auf Feuerland und in der Magellanstraße gewonnen. Etwa zehn Millionen Barrel Rohöl und 862 Millionen Kubikmeter Erdgas werden jährlich gefördert. Ebenfalls eine wichtige Rolle für den Bergbau Chiles ist der Abbau von Eisenerz. Die Erzminen erreichen Fördermengen von mehr als acht Millionen Tonnen pro Jahr. Darüber hinaus verfügt das Land über große Vorkommen an Nitraten, Iod, Schwefel und Kohle sowie Silber, Gold, Mangan und Molybdän. Die ehemals große Bedeutung der Salpetervorkommen in der Atacama-Region, die aufgrund des Salpetermonopols (siehe unten: Geschichte; Liberale Regierung und Kriege mit dem Ausland) für den enormen Reichtum Chiles Ende des 19. Jahrhunderts bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts sorgten – der stickstoffreiche Salpeter war damals Hauptbestandteil der Düngemittel –, ging mit der Einführung von synthetischem Stickstoffdünger auf dem Weltmarkt stark zurück.

Industrie
Der industrielle Sektor beschäftigt etwa 26 Prozent der Arbeitskräfte im Land (1998). Neben der Verhüttung von Kupfer und der Erzeugung von Eisen und Stahl stehen vor allem die Metallverarbeitung, die chemische und die elektrotechnische Industrie im Vordergrund. Chile gehört zu den größten Stahlherstellern Südamerikas. Verschiedene Erdölraffinerien verarbeiten sowohl das heimische als auch das importierte Rohöl. Weitere wichtige Produktionszweige sind die Zellstoff- und Papierherstellung, die Produktion und Verarbeitung von Nahrungsmitteln (z. B. Fisch) sowie Textilindustrie (aus Baumwolle, Wolle und Synthetik). Bedeutende Industriestandorte befinden sich im Ballungsgebiet um die Hauptstadt Santiago de Chile sowie um die Städte Valparaíso, Valdivia und Concepción.

Seitenanfang

Quelle: Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2004 DVD © 1993-2003 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.