Zu den bedeutenden Städten in Chile zählen neben Santiago auch Concepción, Zentrum der Landwirtschaft und Industrie (380 000 Einwohner), Valparaíso, ein großer Seehafen (285 000), und Viña del Mar, ein beliebter Urlaubsort (343 000).
Santiago
Hauptstadt von Chile, am Río Mapocho, 530 Meter über dem
Meeresspiegel, am Fuß des Cerro Santa Lucía gelegen. Östlich der Stadt erheben
sich die schneebedeckten Gipfel der Anden. Santiago ist die größte Stadt des
Landes und dessen wichtigstes Wirtschafts- und Kulturzentrum.
Santiago besitzt gute Verkehrsverbindungen, darunter die Panamericana, und
verfügt mit dem im Westen des Stadtgebietes gelegenen Airport Los Cerrillos über
einen internationalen Flughafen. Eine Straßen- und Schienenverbindung besteht
auch mit der Hafenstadt San Antonio. Wichtigste Produktionsgüter sind
Nahrungsmittel, Textilien, Bekleidung, Lederwaren, Kunststoffe, Metalle,
elektronische Geräte, Glas und Papier sowie pharmazeutische und chemische
Produkte Darüber hinaus spielt der Tourismus eine wichtige wirtschaftliche
Rolle.
Der spanische Eroberer Pedro de Valdivia gründete die Stadt am 12. Februar 1541
in einem von dem Stamm der Picunche bewohnten Gebiet unter dem Namen Santiago de
la Nueva Estremadura. Ab 1574 fungierte sie als Sitz einer audiencia
(Verwaltungsbehörde), 1609 wurde sie zur offiziellen Hauptstadt des
Großkapitanats Chile erklärt. Die im Kolonialstil schachbrettartig angelegte
Stadt wurde mehrfach zerstört, u. a. von Araukanern, häufiger jedoch durch
Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen und vor allem Erdbeben. Besonders durch
jenes von 1647 wurde Santiago beinahe vollständig zerstört. Seit 1651 ist die
Stadt Erzbischofssitz, und mit der Unabhängigkeit Chiles wurde sie 1818 zur
Landeshauptstadt erhoben. Ein rasantes Wachstum setzte Mitte des 19.
Jahrhunderts ein mit der Erschließung umfangreicher Salpetervorkommen im Umland.
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 5,49 Millionen.
Concepción
Stadt im südlichen Zentrum von Chile und die Hauptstadt
der Region Bíobío (am gleichnamigen Fluss). Talcahuano und Tomé, die
Zugangshäfen, befinden sich in der nahen Bucht von Concepción am Pazifischen
Ozean. Concepción ist ein Handelszentrum für landwirtschaftliche Produkte, die
im fruchtbaren Umland angebaut werden. Wichtig für die städtische Wirtschaft
sind die Nahrungsmittelverarbeitung, die Eisen- und Stahlindustrie sowie die Öl,
Chemikalien und Holz verarbeitende Industrie. 1919 wurde die Universität von
Concepción gegründet.
Die Stadt entstand 1550 an der Stelle des heutigen Penco. 1754 wurde Concepción
landeinwärts verlegt. Ein Erdbeben hatte die Stadt 1751 zerstört. 1818 wurde in
Concepción die Unabhängigkeit von Chile ausgerufen. Weitere Erdbeben richteten
1835, 1939 und 1960 große Schäden an. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 380 000.
Hauptstadt der Region Aconcagua, an einer Bucht des
Pazifischen Ozeans.
Sie ist wichtige Hafenstadt und Industriezentrum sowie eine der größten Städte
Chiles. In der Nähe liegt der Urlaubsort Viña del Mar. Die Stadt ist westlicher
Endpunkt der Trans-Anden-Eisenbahnlinie, die sie mit Buenos Aires verbindet.
Ihre wichtigsten industriellen Erzeugnisse sind Nahrungsmittel, Textilien,
chemische Erzeugnisse sowie Leder- und Metallprodukte. Der Handel konzentriert
sich auf den flachen Teil der Küste, während sich die Wohnbezirke bis auf die
steilen Hänge der angrenzenden Hügel erstrecken.
Valparaíso ist der Sitz einer Marineakademie, einer katholischen Universität
(1928) und der technischen Universität Federico Santa María (1926). Die Stadt
wurde 1536 von Spaniern gegründet. Nachdem Chile 1818 unabhängig wurde, dehnte
sich die Stadt aus. Valparaíso war ein wichtiger Hafen für Schiffe, die Kap
Hoorn umsegelten, bevor 1914 der Panamákanal eröffnet wurde. Die Stadt wurde
durch Erdbeben 1906, 1907 und 1971 stark zerstört. Erhalten blieben mehrere
Zahnradbahnen, die die Industrie- und Handelsviertel mit den höher gelegenen
Wohnvierteln verbinden. Der nur noch Reste kolonialzeitlicher Architektur
umfassende historische Stadtbezirk wurde von der UNESCO im Juli 2003 zum
Weltkulturerbe erklärt.
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 285 000 (2000).
In der Region Valparaíso, am Pazifischen Ozean, an der
Mündung des Flusses Estero Marga-Marga gelegen. Gemeinsam mit der Stadt
Valparaíso bildet sie eine Großstadtregion. Sie gehört zu den wichtigsten
Erholungsgebieten des Landes und ist einer der bekanntesten Badeorte am Meer.
Die Umgebung der Großstadtregion wird landwirtschaftlich genutzt. Zu den
wichtigsten industriellen Erzeugnissen gehören raffinierter Zucker, Pflanzenöle,
chemische Erzeugnisse, Wein und Textilien.
Luxuriöse Villen, Hotels an der Uferpromenade, Parks und Gärten sowie breite
Strände kennzeichnen das Stadtbild Viña del Mars. Die Stadt ist die
Sommerresidenz des chilenischen Präsidenten. Viña del Mar wurde 1874 gegründet.
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 342 700 (2000).
Osterinsel
Osterinsel, auch Rapa Nui, (spanisch Isla de Pascua), zu
Chile gehörige Insel im Südpazifik, etwa 3 700 Kilometer westlich der
nordchilenischen Küste.
Die Insel besteht aus drei erloschenen Vulkanen und hat eine Fläche von etwa 180
Quadratkilometern. Das Klima ist subtropisch und ganzjährig warm, es herrschen
starke Passatwinde vor, und die Niederschläge betragen etwa 1 300 Millimeter
jährlich. Die einheimische Vegetation besteht aufgrund der langjährigen
Beweidung überwiegend aus Grasland. Auf dem fruchtbaren, vulkanischen Boden
werden Kartoffeln, Zuckerrohr, Taro, Tabak und verschiedene tropische Früchte
angebaut. Das Frischwasser stammt im Wesentlichen aus den Kraterseen, in denen
sich der Regen sammelt. 1722, als die ersten Europäer auf die Insel kamen,
lebten hier mehrere tausend Polynesier. Ihre Zahl ging jedoch durch
eingeschleppte Krankheiten und durch ihren Einsatz als Zwangsarbeiter beim Abbau
von Guano an der peruanischen Küste bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf
weniger als 200 zurück. Mischehen zwischen Polynesiern und Chilenen sind häufig.
Die Einwohnerzahl liegt bei 1 900.
Den Namen erhielt die Osterinsel durch den niederländischen Forscher Jakob
Roggeveen, der am Ostersonntag 1722 dort landete. 1888 annektierte die
chilenische Regierung die Insel, überließ der ursprünglichen Bevölkerung jedoch
ein Gebiet an der Westküste. Der übrige Teil der Insel ist überwiegend Weideland
für Schafe und Rinder.
Die Osterinsel ist von großer archäologischer Bedeutung. Ihre Bewohner schufen
eine eigene Kultur, die sich durch Megalithbauten auszeichnet. Das von ihnen
entwickelte Schriftsystem, RongoRongo genannt, ist die bisher einzige
Schriftform in Polynesien, wobei jedoch unklar ist, ob diese ursprünglich ist
oder erst unter dem Einfluss der Europäer entstand.
Über die Menschen, die diese Megalithbauten schufen und die Schriftzeichen in
die Holztafeln einritzten, ist wenig bekannt. Einige Wissenschaftler sind der
Meinung, dass die Osterinsel vor etwa 1 500 Jahren besiedelt wurde, andere
behaupten, dass die Besiedlung erst später erfolgte. Die häufig vertretene
Theorie, dass die Ureinwohner der Insel aus Südamerika stammten, gilt heute als
unhaltbar. Archäologische und botanische Funde lassen vielmehr vermuten, dass
die Vorfahren der heutigen polynesischen Bevölkerung mit Kanus von den
Marquesas-Inseln in Ostpolynesien gekommen sind. Vermutet werden zwei
Besiedlungswellen mit Menschen verschiedenen polynesischen Ursprungs. Viele
Archäologen glauben, dass es zwischen beiden Gruppen wiederholt Kämpfe gab und
dabei zahlreiche der Megalithen – vermutlich ehemals etwa 600 Statuen – zerstört
wurden.
Die größten der heute noch vorhandenen Steinmonumente sind die großen
Grabanlagen, die so genannten Ahus, auf denen mehrere Reihen monumentaler
Statuen standen. Die Ahus befanden sich an Steilufern und anderen Stellen mit
einem Blick über das Meer. Jeder Ahu bestand aus Steinblöcken, die genau
aufeinanderpassten und ohne Mörtel zusammengefügt waren. Zu einer Grabanlage
gehörten gewöhnlich vier bis sechs Statuen, doch gibt es einen Ahu, den
Tongariki, mit 15 Statuen. In vielen Ahus gibt es Gewölbe mit Einzel- oder
Gruppengräbern.
Auf der Insel stehen insgesamt noch etwa 100 Statuen, die zwischen drei und
zwölf Meter hoch sind. Sie sind aus dunklem Tuffstein gehauen, einem weichen
Vulkangestein, und bestehen aus Oberkörpern mit überdimensionalen Köpfen. Das
Material für die Statuen stammte aus einem Steinbruch im Krater Rano Raraku, wo
Forscher eine riesige, unvollendete Statue von 21 Meter Länge fanden. Viele
Statuen auf den Grabanlagen trugen außerdem eine Art zylindrischer Krone oder
Kopfschmuck aus rotem Tuffstein mit einem zentralen, nach oben ragenden Aufsatz.
Teilweise finden sich noch die eingesetzten Augen aus hellen Knochen und dunklem
Obsidian in den Köpfen.
Bei den Ausgrabungen wurden auch versteckt liegende Höhlen freigelegt, in denen
sich verwitterte Überreste von Tafeln und Holzbildern und zahlreiche kleine
Holzfiguren befanden. In diese Tafeln waren Zeichen mit der Osterinsel-Schrift
eingeritzt, die stilisierte Figuren enthielt und vermutlich eine Art
Bilderschrift darstellt.
Ojos del Salado
Berg in den Anden, auf der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Mit 6 880 Meter Höhe ist er der höchste Vulkan der Erde und der dritthöchste Gipfel der Gebirgskette. Benannt wurde der Ojos del Salado („Augen des Salzigen”) in Anspielung auf die Schnee- und Eisbedeckung in den höheren Lagen sowie die zahlreichen Salzseen in der Umgebung.
Atacama
Wüstenregion im Norden Chiles, die sich über eine Fläche
von 363 000 Quadratkilometern erstreckt und als trockenstes Gebiet der Welt
gilt. Die Atacama grenzt im Westen an ein Küstengebirge und im Osten an die
Anden. Der Mangel an Niederschlag wird im Wesentlichen durch den Humboldtstrom
verursacht, der kaltes Wasser aus der Antarktis in Richtung Äquator führt. An
der Westküste Südamerikas, speziell in der Atacama, bewirkt kaltes
Auftriebswasser Nebelbildung, die der Küstenwüste nur selten Niederschlag
zukommen lässt. Die Vegetation der Atacama ist auf Grund dessen und wegen der
hohen Temperaturen, bis auf wenige bewässerte Oasen, ausgesprochen karg.
Während des 19. Jahrhunderts stritten sich Bolivien, Peru und Chile um die
Region, da sie reich an Salpeter, Silber- und Kupfererzen ist (siehe
Salpeterkrieg).
Am 25. Mai 1998 ging in der Atacama das größte und leistungsfähigste
Radioteleskop der Welt in Betrieb
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