Bolivien ist eine Präsidialrepublik, die nach der 1947 in
Kraft getretenen und seither mehrfach geänderten Verfassung regiert wird.
Staatsoberhaupt und Chef der Exekutive ist der Präsident, der für eine Amtszeit
von fünf Jahren direkt gewählt wird; eine unmittelbare Wiederwahl ist nicht
möglich. Wahlberechtigt sind verheiratete Bürger ab 18 Jahren und ledige Bürger
über 21 Jahren. Der Präsident bildet das Kabinett und kann bei Bedarf per Dekret
regieren.
Die Legislative besteht aus einem Zweikammerparlament, das sich aus dem
Abgeordnetenhaus mit 130 Mitgliedern und dem Senat mit 27 Abgeordneten (drei aus
jedem Departamento) zusammensetzt. Die Mitglieder beider Kammern werden jeweils
für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt.
Die Judikative wird vom Obersten Gerichtshof in Sucre ausgeübt; darunter
arbeiten Distriktgerichte sowie Gerichte auf lokaler Ebene. Der Oberste
Gerichtshof besteht aus zwölf Mitgliedern, die vom Parlament für zehn Jahre
gewählt werden.
Stärkste Parteien sind der rechtsgerichtete Movimiento Nacionalista
Revolucionario (Revolutionäre Nationalistische Bewegung, MNR), der Movimiento al
Socialismo (Bewegung für den Sozialismus, MAS) und der Movimiento de la
Izquierda Revolucionaria (Bewegung der Revolutionären Linken, MIR). Die vorher
bedeutende Acción Democrática Nacionalista (Demokratisch-Nationalistische
Aktion, ADN) büßte seit den Parlamentswahlen vom Juni 2002 an Bedeutung ein.
Kommunalverwaltung
Bolivien ist in neun Verwaltungsbezirke (Departamentos) untergliedert, die von
Präfekten (vom Präsidenten ernannt) verwaltet werden. Die einzelnen
Verwaltungsbezirke sind: Santa Cruz, El Beni, Tarija, Potosí, La Paz, Chuquisaca,
Pando, Cochabamba und Oruro. Jedes Departamento ist wiederum in Provinzen
unterteilt, deren Verwaltung einem vom Präsidenten ernannten Unterpräfekten
übertragen wird. Wichtige Städte haben einen direkt gewählten Stadtrat.
Bolivien gehört trotz seines Reichtums an Bodenschätzen zu den am wenigsten entwickelten Ländern Südamerikas. Obwohl die größten Bergbauunternehmen in den fünfziger Jahren verstaatlicht wurden, hat die bolivianische Regierung die Entwicklung der privaten Industrie und Investitionen ausländischen Kapitals aktiv gefördert. Boliviens Wirtschaft ist nahezu einseitig abhängig vom Bergbau, der rund 80 Prozent des gesamten Exportvolumens ausmacht. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 7 969 Millionen US-Dollar.
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
Fast die Hälfte aller Erwerbstätigen ist in der Landwirtschaft beschäftigt;
sie erwirtschaften 15,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2001). Ein besonderes
Problem ist hier der illegale Anbau von Kokasträuchern. Die geringe
Produktivität im Agrarsektor ist auf veraltete Bewirtschaftungsmethoden, extreme
Witterungsbedingungen und Bodenerosion sowie eine unzureichende
Verkehrserschließung zurückzuführen. Obwohl Bolivien heute seinen Bedarf an den
traditionellen Nahrungsmitteln (Kartoffeln, Maniok und Getreide) ohne fremde
Hilfe decken kann, ist es immer noch auf die Einfuhr bestimmter Lebensmittel
angewiesen. Die wichtigsten bolivianischen Agrarprodukte sind Kartoffeln,
Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee, Mais, Reis, Weizen und Quinoa. Ein Großteil des
landwirtschaftlichen Ertrags entstammt dem Anbau und der Verarbeitung des
Kokastrauches. Im östlichen Tiefland werden Rinder und Schafe gehalten. Die
Fischerei ist ein relativ unbedeutender Wirtschaftszweig des Binnenlandes
Bolivien. Die unzureichende Verkehrserschließung behindert die
forstwirtschaftliche Nutzung der bolivianischen Wälder, die hauptsächlich im
Osten über die Hälfte des Landes bedecken und reich an Edelhölzern sind.
Bergbau
Bolivien verfügt über reiche Erzvorkommen. In den zahlreichen Erzlagerstätten
werden Zinn, Blei, Silber, Kupfer, Eisenerz, Antimon, Zink, Schwefel, Wismut,
Gold und Wolfram abgebaut. Der Bergbau, wichtigster Devisenbringer Boliviens,
erlitt Ende der achtziger Jahre durch den Preisverfall für Rohstoffe an den
Weltmärkten und durch die Erschöpfung einiger Minen einen Einbruch. Bolivien
zählt weltweit zu den größten Zinn-, Wismut- und Antimonproduzenten. 1952 wurden
die drei größten Zinnminen verstaatlicht und zur Corporación Minera de Bolivia (COMIBOL)
zusammengefasst. Der Großteil der Zinnminen befindet sich im Umland von Oruro.
Die Erdöl- und Erdgasförderung im Andenbereich (im Südosten des Landes) gewann
seit Anfang der siebziger Jahre zunehmend an Bedeutung. Seit Ende der achtziger
Jahre ist Bolivien von der Einfuhr ausländischer Mineralölprodukte nahezu
unabhängig. Im September 1996 kam ein Vertrag über den Bau der ersten
Erdgaspipeline von Bolivien nach Brasilien zustande.
Industrie und Handel
Das verarbeitende Gewerbe erwirtschaftet ungefähr 30 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts und beschäftigt 13 Prozent der Erwerbstätigen. Die
wichtigsten Industriezweige sind neben der Konsumgüterindustrie (Produkte für
den Eigenbedarf des Landes), die Metallerzeugung, Erdölraffinerien, chemische
Industrie und die Holzverarbeitung (vor allem Papierherstellung). Mehr als zwei
Drittel der Industriebetriebe befinden sich in La Paz, dem wichtigsten
Industriestandort. Als weitere Standorte sind Oruro, Cochabamba, Potosí und
Santa Cruz zu nennen.
Etwa 53 Prozent der Exporteinnahmen entfallen auf den Verkauf von Erzen, 18
Prozent auf den Export von Erdöl und Erdgas. Weitere Ausfuhrgüter sind Soja und
Holz. Importgüter sind Kapitalgüter, Konsumgüter und Zwischenprodukte. Die
Handelsbilanz ist negativ. Wichtige Handelspartner Boliviens sind die USA,
Argentinien, Brasilien, Peru, Chile und Japan (beide Importhandelspartner) sowie
Länder der Europäischen Union (z. B. Deutschland, Großbritannien, die
Niederlande und Belgien).
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