Der Regierungssitz La Paz ist mit etwa 1 Million Einwohnern die größte Stadt des Landes. Die Hauptstadt Sucre zählt etwa 223 000 Einwohner. Weitere bedeutende Städte sind Santa Cruz (1,03 Millionen Einwohner), wichtiges Handelszentrum, Cochabamba (616 000 Einwohner), das in einem fruchtbaren Anbaugebiet liegt, Oruro (248 000 Einwohner) und Potosí (162 000 Einwohner), die beide in einem Gebiet mit großem Erzvorkommen liegen.
Sucre
Hauptstadt Boliviens, im Süden des Landes.
Sucre ist die offizielle Hauptstadt Boliviens, der Regierungssitz des Landes
befindet sich jedoch im 420 Kilometer entfernten La Paz. Sucre liegt an einem
Osthang der Anden in 2 600 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Hier befinden sich
der Sitz des Obersten Gerichtshofs und die San-Francisco-Xavier-Universität (Universidad
Mayor, Real y Pontifica De San Francisco Xavier de Chuquisaca), die 1624
gegründet wurde. Sie ist eine der ältesten Universitäten Südamerikas und gilt
als Zentrum der liberalen Bewegung, die im 18. und 19. Jahrhundert
entscheidenden Einfluss auf die politischen Geschehnisse in Südamerika hatte.
Diese Bewegung stand hinter dem bolivianischen Aufstand gegen die spanische
Herrschaft von 1809. Sucre war von den Spaniern in der Nähe der Inkasiedlung
Chuquisaca 1538 unter dem Namen Villa de la Plata gegründet worden.
Aufgrund des Abbaus der reichen Silbervorkommen in der Umgebung der Stadt
entwickelte sich die Siedlung schnell zu einem der führenden städtischen Zentren
Südamerikas. 1552 wurde sie Bischofssitz, 1609 Sitz eines Erzbistums. 1825 wurde
hier die Unabhängigkeitserklärung Boliviens unterzeichnet. 1839 erhielt die
Stadt ihren heutigen Namen zu Ehren des ersten bolivianischen Staatspräsidenten
Antonio José de Sucre und wurde zur Landeshauptstadt erhoben. Sucre ist das
Handelszentrum für die umliegenden Agrargebiete, deren Hauptanbauprodukte Obst
und Weizen sind. In Sucre sind nur wenige Industriebetriebe ansässig, dazu
gehören eine Erdölraffinerie, eine Zementfabrik und eine Zigarettenfabrik. Die
im spanischen Kolonialstil errichtete Altstadt wurde von der UNESCO zum
Weltkulturerbe ernannt. Sucre, das auch als „Die Weiße Stadt” bezeichnet wird,
beheimatet bedeutende historische Bauten sowie mit Balkonen, Arkaden und
Portiken versehene Kolonialgebäude. Mehr als ein Dutzend elfenbeinweiße Kirchen
prägen das Stadtbild. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 223 400.
La Paz
La Paz, Regierungssitz und größte Stadt von Bolivien, am
Fluss La Paz im Westen des Landes gelegen. Die Stadt erstreckt sich in einem
Talkessel zwischen dem Altiplano und den Bergen der Cordillera Real in den Anden
in einem Bereich zwischen 3 600 und 4 000 Metern über dem Meeresspiegel. La Paz
ist damit die höchstgelegene Großstadt der Erde.
Über ein Straßen- und Eisenbahnnetz ist La Paz mit Städten in Peru und
Argentinien sowie mit Arica (Chile), dem nächstgelegenen Hafen am Pazifischen
Ozean, verbunden. Die Stadt verfügt über einen internationalen Flughafen und ist
das bedeutendste Handels- und Produktionszentrum des Landes. Hergestellt werden
u. a. Lebensmittel, Textilien, Kleidung, Schuhe und chemische Erzeugnisse. Die
Stadt ist das Exportzentrum vorwiegend für die Rohstoffe Boliviens (u. a.
Silber, Kupfer und Blei).
1548 wurde La Paz von den Spaniern als Ciudad de Nuestra Señora de la Paz
gegründet. Die Stadt wuchs aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage an den
Transportwegen zwischen den bolivianischen Silberminen und der Küste rasch an.
Von 1809 bis 1824 war sie Standort der revolutionären Bewegung gegen die
spanische Herrschaft. Nach dem Sieg über die Spanier 1824 bei Ayacucho erhielt
die Stadt den Namen La Paz de Ayacucho (siehe Schlacht von Ayacucho).
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 1 Million (2000).
Santa Cruz
Stadt in Bolivien, Hauptstadt des Departements Santa Cruz.
Die Stadt liegt am Piray, am Fuß der Anden. Sie ist ein wichtiger
Verkehrsknotenpunkt und Handelszentrum einer Region, in der Viehzucht betrieben
und Baumwolle, Zuckerrohr, Kaffee, Tabak, Reis, Obst, Vanille und Mais angebaut
werden. Zu den wichtigsten Industriezweigen gehören die Erdölraffination, die
Zuckerherstellung sowie die Produktion von Textilien, Nahrungsmitteln und
Tabakwaren. In der Nähe werden Erdöl und Erdgas gefördert. Spanische Kolonisten
gründeten die Stadt zu Beginn der sechziger Jahre des 16. Jahrhunderts. 1592
wurde die Siedlung nach mehrmaligen Indianerüberfällen rund 270 Kilometer nach
Westen, an ihren heutigen Standort, verlegt. Santa Cruz war ein frühes Zentrum
revolutionärer Aktivitäten gegen die spanische Herrschaft. Die Einwohnerzahl
beträgt etwa 1 034 000.
Cochabamba
Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Cochabamba im zentralen Bolivien, in einer Höhe von 2 560 Metern, am Rande des Berges Tunari. Zu den Industriezweigen der Stadt gehört die Herstellung von Textilien, raffiniertem Erdöl, Leder, Seife und Steingutgeschirr. Außerdem wird in beträchtlichem Umfang Handel mit Getreide und Chinarinde, aus der Chinin und verwandte medizinische Stoffe gewonnen werden, betrieben. In der Stadt befindet sich die Universität San Simón (gegründet 1832). Cochabamba wurde 1574 als Villa de Oropeza gegründet und 1786 umbenannt. 1847 wurde die Stadt Erzbischofssitz. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 616 000.
Oruro
Stadt in Bolivien, Hauptstadt der Provinz Oruro, auf einer Hochebene etwa 3 700 Meter über dem Meeresspiegel. Oruro ist eine der größten Städte Boliviens sowie ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und ein bedeutendes Handels- und Verarbeitungszentrum. In der Umgebung werden Bodenschätze abgebaut. Die Industrie in der Stadt umfasst Zinnverhüttung sowie Schuh- und Textilindustrie. Die Stadt beheimatet eine technische Universität (1892). Oruro wurde um 1595 von Spaniern besiedelt, die die Silbervorkommen ausbeuten wollten. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 248 000 (2000).
Potosí
Stadt im Süden Boliviens, Hauptstadt des gleichnamigen
Departements in den Anden in der Nähe von Sucre.
Potosí ist eine der am höchsten gelegenen Städte der Welt (3 960 Meter über dem
Meeresspiegel) und Bergbauzentrum (Zinn, Kupfer und Blei). Die wichtigsten
Erzeugnisse sind Nahrungsmittel, Möbel und Bier. In der Stadt befinden sich die
Tomás-Frías-Universität (von 1892), eine Kathedrale, eine Münzstätte, die 1572
errichtet wurde, und viele Kirchen aus der Kolonialzeit (Copacabana, San
Lorenzo, San Francisco). Potosí wurde 1546 als Villa Imperial de Potosí
gegründet. Bis 1611 war Potosí das führende Zentrum des Silberbergbaus in der
Welt (mit etwa 150 000 Einwohnern). 1825 waren die Silbervorräte erschöpft, die
Einwohnerzahl sank auf 8 000. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann der
Zinnbergbau an Bedeutung, die Stadt begann erneut zu wachsen. Potosí und seine
Silberminen wurden von der UNESCO 1987 zum Weltkulturerbe erklärt.
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 162 000.
Altiplano
Beckenlandschaft zwischen der West- und der Ostkordillere
der Anden im südwestlichen Bolivien und südlichen Peru.
Die Region umfasst eine Reihe von Hochbecken in einem Höhenbereich zwischen 3
500 und 4 200 Metern über dem Meeresspiegel. Im Norden des Altiplano liegt der
Titicacasee. In seinem dicht besiedelten Becken wird neben Ackerbau vorwiegend
Weidewirtschaft betrieben. Nach Süden wird der Altiplano trockener, und die
starke Verdunstung führte zur Entstehung großflächiger Salzpfannen, deren Böden
mit Salzkrusten überdeckt sind.
Illimani
„schneebedeckter Berg”, Berg im Westen Boliviens, südlich von La Paz in den Anden (Cordillera Oriental oder Real). Die Schneegrenze liegt bei etwa 4 500 Metern über dem Meeresspiegel. Der Nordhang ist ab einer Höhe von ungefähr 5 000 Metern vergletschert. Der Berg hat vier Hauptgipfel. Der höchste ist der Nevado Illimani (6 882 Meter), der bei Bergsteigern sehr beliebt ist.
Illampu
Berg im Westen Boliviens, nördlich von La Paz in den Anden (Cordillera Oriental oder Real). Vom Illampu aus hat man einen weiten Blick über den Titicacasee, und vom See aus bietet der Berg eines der großartigsten Panoramen in Amerika. Das Bergmassiv hat drei Hauptgipfel. Sein nördlichster, der Nevada Illampu, ist 6 485 Meter hoch.
Mamoré
Fluss im Norden von Bolivien; wichtigster Quellfluss des Rio Madeira. Er entsteht durch das Zusammenfließen mehrerer Flüsse, die in der Cordillera de Cochabamba, einem Gebirgszug der Anden, entspringen. Die Gesamtlänge beträgt etwa 1 900 Kilometer, von denen ungefähr 1 600 Kilometer schiffbar sind.
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