AUSTRALIEN - Wirtschaft

Verwaltung und Politik

Australien, als parlamentarisch-demokratischer Bundesstaat konstituiert, ist ein selbständig regierter Staat und Mitglied des Commonwealth of Nations. Die Verfassung Australiens, die 1901 rechtskräftig wurde, basiert auf der parlamentarischen Tradition des britischen Mutterlandes, enthält aber auch Elemente der US-amerikanischen Konstitution. Staatsoberhaupt ist die britische Königin Elisabeth II., die von einem von ihr ernannten Generalgouverneur vertreten wird.

Regierungschef ist der australische Premierminister, der sich gegenüber dem australischen Parlament zu verantworten hat. Die Legislativ- und Exekutivkompetenzen der bundesstaatlichen Regierungen umfassen die dem Bund nicht zustehenden Bereiche. Australien ist eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen (United Nations, UN).

Die Bundesstaaten verfügen verfassungsrechtlich mit Ausnahme von Queensland, das nur ein Einkammerparlament besitzt, über ein Zweikammerparlament. Das Oberhaupt der britischen Krone wird in jedem Staat durch einen Gouverneur vertreten. Regierungsangelegenheiten fallen in den Kompetenzbereich eines Kabinetts, dessen Vorsitz jeweils von einem so genannten Premier geführt wird. In jedem australischen Staat gibt es mehrere Regierungsbehörden, die u. a. für das Verkehrs- und Bauwesen, die Instandsetzung von Straßen, Brücken, Regionalstraßen, für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie für die Pflege und gegebenenfalls auch Reparatur von Parkanlagen, Bibliotheken, Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen zuständig sind. Zu diesen Behörden gehören die Räte der Grafschaften, Bezirksgemeinden und Städte, denen in jedem Staat im Rahmen der Gesetzgebung zum Teil beträchtliche Autonomie zugestanden wird.

Exekutive
Die Exekutive liegt formell in der Hand des Generalgouverneurs, der nach vorheriger Absprache mit dem australischen Premierminister vom Oberhaupt der britischen Monarchie ernannt wird. Die britische Monarchie besitzt keine Regierungsgewalt und dient somit nur symbolisch als Staatsoberhaupt. Der Generalgouverneur handelt nur nach vorhergehender Beratung mit dem Exekutivrat oder Kabinett, das sich aus allen Staatsministern als Mitgliedern zusammensetzt. Die praktische Politik des Bundes wird vom Kabinett bestimmt, das unter dem Vorsitz des Premierministers tagt. Der Premierminister ist außerdem Vorsitzender der parlamentarischen Mehrheitspartei. Die Minister sind für die einzelnen Ministerien der Bundesregierung zuständig, deren Verwaltung den fest angestellten Ministerialbeamten obliegt.

Legislative
Die Legislativgewalt des Bundes liegt bei einem Zweikammerparlament, das sich aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus zusammensetzt. Der Senat umfasst 76 Mitglieder, wobei jeweils zwölf Senatoren von den sechs Bundesstaaten und seit 1974 auch je zwei Senatoren von den Bundesgebieten entsendet werden. Alle Senatoren werden vom Volk nach dem Verhältniswahlrecht mit einer einzigen übertragbaren Stimme für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Gemäß der australischen Verfassung soll das Repräsentantenhaus die doppelte Zahl der Sitze des Senats aufweisen. Die Zahl der von den einzelnen Staaten entsendeten Abgeordneten ist zur Bevölkerungszahl des jeweiligen Staates proportional, wobei jedoch jedem Staat mindestens fünf Repräsentanten zustehen. Das Northern Territory ist durch einen Abgeordneten, das Australian Capital Territory durch zwei Abgeordnete im Repräsentantenhaus vertreten. Zu Beginn der neunziger Jahre zählte das Repräsentantenhaus 147 Abgeordnete. Sie werden vom Volk im Rotationsprinzip für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt. Der Premierminister ist dazu befugt, den Generalgouverneur um die Auflösung des Repräsentantenhauses zu ersuchen und jederzeit Neuwahlen zu beantragen. Alle australischen Bürger erhalten mit Vollendung des 18. Lebensjahres das volle Wahlrecht.

Judikative
An der Spitze des Rechtssystems des Australischen Bundes steht der Oberste Gerichtshof (Supreme Court), der sich aus einem Oberrichter und sechs weiteren Richtern zusammensetzt, die vom amtierenden Generalgouverneur ernannt werden. Der Oberste Gerichtshof ist die oberste Berufungsinstanz und fungiert darüber hinaus auch als Verfassungsgerichtshof. Darüber hinaus gibt es zwei weitere Gerichtshöfe auf Bundesebene, den Bundesgerichtshof (Federal Court of Australia) und den Familiengerichtshof sowie Gerichte der Bundesstaaten und Territorien.

Kommunalverwaltung
Der Australische Bund umfasst sechs Bundesstaaten und zwei Bundesgebiete (Territorien). Die Staaten und ihre jeweiligen Hauptstädte sind New South Wales (Sydney), Victoria (Melbourne), Queensland (Brisbane), South Australia (Adelaide), Western Australia (Perth) und Tasmanien (Hobart), die Territorien und ihre Hauptstädte sind das Australian Capital Territory (Canberra) und das Northern Territory (Darwin). 1998 lehnten die Stimmberechtigten des australischen Northern Territory (NT) den Vorschlag der Regierung, dem Territorium den Status eines eigenständigen Gliedstaates zu geben, überraschend ab.

Politische Parteien
Zu den wichtigsten Parteien gehören die Australian Labor Party, die National Party of Australia, die Liberal Party of Australia und die Australian Democratic Party. Die Stärke der Labor Party begründet sich vor allem in ihrer Unterstützung der Gewerkschaftsbewegung. Die politischen Zielsetzungen der Liberal Party und der National Party stimmen in weiten Teilen überein, so dass diese beiden Parteien traditionsgemäß eine Koalition bilden.

Landrechte der Aboriginies
Eine der wichtigsten rechtlichen Fragen der letzten Jahre hat sich um die Problematik der Ansprüche der Aborigines auf Grund und Boden gedreht. Die Thematik erlangte erstmals in den sechziger Jahren mit der Zunahme des Aktivismus seitens der australischen Urbevölkerung Bedeutung. Gleichzeitig verlagerten sich die rechtlichen Ansprüche dieser Bevölkerungsgruppe von der zunächst geforderten Lohngleichheit mit Europäern hin zu Forderungen nach Landrechten über Gebiete mit besonderer religiöser, kultureller, geschichtlicher oder anderweitiger Bedeutung. Die Regierung von South Australia unternahm ab Mitte der sechziger Jahre Schritte in diese Richtung, während die Bundesregierung 1976 den so genannten Aboriginal Land Rights Act erließ, der das Northern Territory betraf. Hierbei handelte es sich jedoch nur um kleine Zugeständnisse. In den achtziger Jahren nahm der Widerstand gegenüber den Forderungen der Aborigines innerhalb der bundesstaatlichen Regierungen und insbesondere bei den Bergbaugesellschaften zu.

Die Interessenverbände der Aborigines blieben jedoch weiterhin aktiv. Im August 1985 legte die Bundesregierung Gesetzentwürfe vor, die der australischen Urbevölkerung das unveräußerliche Besitzrecht auf Nationalparks, unbebautes Land und frühere Reservate der Aborigines übertrugen. Im Oktober desselben Jahres wurde der Fels Uluru, eher unter der europäischen Bezeichnung Ayers Rock bekannt, offiziell der Gemeinde Mutijulu unter der Bedingung übergeben, dass auch weiterhin der Zugang zu diesem riesigen Monolith gewährleistet sei.

Infolge starker Einwände seitens der Bergbaugesellschaften und der Staaten, die traditionsgemäß schon immer ihre Landpolitik individuell gestalten konnten, verwarf der Bund die geplante Gesetzgebung, was zu Protesten der Führungspersönlichkeiten der Aborigines führte. Dieser Rückschlag für die Aborigines traf in den späten achtziger Jahren zeitgleich mit Skandalen hinsichtlich der unverhältnismäßig hohen Sterberaten von inhaftierten Aborigines und dem Vorwurf der Korruption zusammen, der der Behörde für Angelegenheiten der Aborigines galt. 1988 veröffentlichten die Vereinten Nationen einen Bericht, der Australien beschuldigte, durch die Art und Weise der Behandlung der australischen Urbevölkerung gegen die internationalen Menschenrechte zu verstoßen. Ein Bericht einer königlichen Kommission, der im Mai 1991 mit der Zielsetzung angefertigt wurde, die Todesfälle von Aborigines in polizeilichem Gewahrsam genauer zu untersuchen und zu hinterfragen, enthielt Beweise für rassistisches Verhalten der Polizeikräfte und beinhaltete über 300 Empfehlungen zur Verbesserung des interethnischen Verständnisses und des Selbstbestimmungsrechtes der Aborigines. Im Juni untersagte die Regierung dauerhaft sämtliche Bergbauaktivitäten an einer historischen Stätte der Aborigines im Northern Territory.

Im Juni 1992 erkannte der Oberste Gerichtshof in einem Präzedenzfall das Bestehen von Ansprüchen auf Land vor der ersten Besiedlung durch die Europäer im Jahr 1788 an. Das so genannte „Mabo-Urteil” besagte, dass es Aborigines und Bewohnern der Inseln in der Torresstraße möglich sein sollte, ihren Rechtsanspruch auf Grund und Boden als Urbewohner geltend zu machen, sofern sie in der Lage seien, eine „enge und dauerhafte” Beziehung mit dem zur Diskussion stehenden Gebiet nachzuweisen. Dieser Beschluss entkräftete das Konzept der terra nullius, also des besitzerlosen Landes, das zur Abweisung von vielen, zu einem früheren Zeitpunkt von Aborigines eingebrachten Ansprüchen auf Land geführt hatte. Gleichzeitig bedeutete dies auch, dass fortan das Anspruchsrecht auf Land nicht nur auf dem australischen Gesetzesrecht fußte, sondern dass sowohl die Aborigines als auch die Bewohner der Inseln in der Torresstraße als eigentliche und ursprüngliche Eigentümer des Kontinents anerkannt wurden. Allerdings sollte das Mabo-Urteil nicht mit den rechtmäßigen Rechtstiteln auf Land seitens der europäischen und anderen Siedler und deren Nachkommen kollidieren. 1993 ratifizierte die Bundesregierung den so genannten Native Title Act, der durch die Errichtung eines Bundesgerichts zur Gültigkeitserklärung bereits bestehender Rechtstitel auf Land die beiden unterschiedlichen Rechtsprechungsaspekte in Einklang bringen und Entschädigungszahlungen leisten sollte, sofern die Ansprüche der Aborigines für bereits erloschen erklärt wurden. Es wurden vorläufig eine Million US-Dollar für Entschädigungszahlungen aufgewendet.

Die meisten Staaten übernahmen eine mit dieser Regelung zu vereinbarende Gesetzgebung, mit Ausnahme von Western Australia, wo die Interessen der Bergbaugesellschaften besonders stark vertreten sind. Man schätzt, dass bis zu 40 Prozent des gesamten Staatsgebiets letztendlich infolge der Ansprüche im Rahmen des Native Title Act an Aborigines zurückgegeben werden müssten. Die Regierung von Western Australia hat dagegen sämtliche Regelungen hinsichtlich der Rechtsansprüche von Ureinwohnern abgewiesen und sieht jetzt nur noch „Rechte auf traditionelle Nutzung” des Landes vor. Western Australia prozessierte vor dem Obersten Gerichtshof gegen die Regierung des Bundes und stellte die Rechtskraft des aus dem Jahr 1993 stammenden Beschlusses in Frage. Am 16. März 1995 beschloss das Gericht, dass der Native Title Act volle Rechtsgültigkeit besitze und erklärte die gegensätzliche Gesetzgebung von Western Australia für verfassungswidrig.

Wirtschaft

Australien ist Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organization for Economic Cooperation and Development, kurz OECD) der führenden Industrienationen. Die wirtschaftlichen Hauptstützen des Landes sind zum einen der Dienstleistungssektor und zum anderen der Export von Lebensmitteln, Rohstoffen sowie verschiedenen Fertigprodukten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 369 Milliarden US-Dollar (2001). Davon entfielen auf den Dienstleistungssektor 70,4 Prozent, auf die Industrie 26,1 Prozent und auf die Landwirtschaft 3,5 Prozent. Das BIP pro Kopf errechnet sich zu 19 020 US-Dollar. Die Arbeitslosenquote lag 2000 bei 6,4 Prozent.

Die Landwirtschaft und der Bergbau spielten nicht nur in der geschichtlichen Entwicklung Australiens eine zentrale Rolle, beide gehören auch heute noch zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Obwohl auf die Agrarwirtschaft weniger als 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen, erzielt dieser Sektor immerhin gut ein Drittel der gesamten Exporteinnahmen. Australien gehört weltweit zu den wichtigsten Exportländern für Weizen, Fleisch und Wolle. Allein bei Wolle erzeugen australische Betriebe über 25 Prozent des Jahresvolumens der Weltproduktion. Das Land ist einer der größten Rohstofflieferanten der Erde; exportiert werden z. B. Eisenerz, Bauxit, Gold, Uran und Steinkohle sowie Kupfer-, Nickel- und Zinkerze. Während die Rohstoffproduktion eine zentrale Rolle für den australischen Export einnimmt, ist dieser Bereich auf dem einheimischen Markt in den vergangenen Jahren sehr viel weniger stark gewachsen.

Weil Australien besonders Rohstoffe (vor allem nach Japan) exportiert, ist die Wirtschaft eng an die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt gekoppelt. Um in diesem Punkt möglichst unabhängig zu werden, versuchte man durch hohe Investitionen die Industrie des Landes zu modernisieren und zu diversifizieren. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts machten sich diese Bemühungen positiv bemerkbar.

Landwirtschaft
Obwohl die Landwirtschaft heute hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts als Wirtschaftsfaktor eine relativ untergeordnete Rolle spielt und auch für den Arbeitsmarkt keine zentrale Funktion besitzt, ist der wirtschaftliche Wohlstand weiter Landesteile auch weiterhin von der Viehzucht und dem Anbau von Kulturpflanzen abhängig. Etwa 5 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Weidewirtschaft wurde in der Frühzeit der Besiedlung eingeführt, als die ersten Spanier Merinoschafe aus Südafrika nach Australien brachten. Heute handelt es sich bei nahezu 90 Prozent der bewirtschafteten Landflächen um Weideland. Diese Entwicklung spiegelt sich in der Tatsache wider, dass ein großer Teil der Weideflächen in der halbariden Klimazone Australiens liegt, auch wenn die Viehzucht in allen fruchtbaren Gegenden betrieben wird. Etwa ein Drittel der Schafe und ein noch höherer Prozentsatz aller Rinder werden auf riesigen landwirtschaftlichen Anwesen gehalten, die in dieser Zone als „Stationen” bezeichnet werden.

Australien ist der weltgrößte Erzeuger und Lieferant von Wolle, besonders der qualitativ hochwertigen Merinowolle. Die durch die Ausfuhr von Wolle erwirtschafteten Einkünfte machen heute jedoch weniger als 8 Prozent der gesamten Exporteinkünfte aus. Infolge von Überproduktion kam es in den späten achtziger Jahren zu einem beträchtlichen Preisverfall auf dem internationalen Markt. In den Jahren 1990/91 wurden über zehn Millionen Schafe aus den Gesamtbeständen geschlachtet, wovon man sich eine Regeneration der Marktpreise erhoffte. Fast die Hälfte der gesamten Wollproduktion erfolgt in New South Wales und Western Australia, während Victoria bei der Erzeugung von Lamm- und Hammelfleisch eine führende Marktposition auf dem inländischen Markt einnimmt.

In allen australischen Bundesstaaten und Bundesgebieten werden Rinder gezüchtet. Der führende Produzent ist jedoch Queensland, das in den neunziger Jahren etwa 40 Prozent des nationalen Gesamtbestands von 28 768 000 Rindern auf sich vereinte. In Australien wird sowohl Schlacht- als auch Milchviehwirtschaft betrieben. Die Aufzucht von Milchvieh beschränkt sich vorwiegend auf die niederschlagsreichen Küstenregionen und den Südosten des Landes, insbesondere Victoria. Die landwirtschaftlichen Betriebe wenden in der Regel hochmoderne Technologien an.

Obwohl nur auf etwa 10 Prozent der gesamten australischen Landfläche Kultur- und Futterpflanzen angebaut werden, sind diese Bewirtschaftungsgegenden von überaus großer Bedeutung für die Wirtschaft. Auf etwa 45 Prozent der kultivierten Nutzflächen wird Weizen angebaut, auf weiteren 20 Prozent andere Getreidearten und Futterpflanzen. Der Anbau von Weizen wurde auf hochgradig maschinellen Betrieb umgestellt und findet in allen australischen Staaten statt, konzentriert sich aber vor allem auf die südöstlichen und südwestlichen Regionen. Die Jahresproduktion verhielt sich in den letzten Jahren aufgrund der Umorientierung auf neue, gewinnbringendere Feldfrüchte rückläufig. Etwa 70 Prozent der Weizenernte werden exportiert. Hafer, Roggen, Gerste, Mais, Ölsamen, Tabak und Futterpflanzen werden ebenfalls in großem Umfang angebaut. In der Bewässerungszone am Murrumbidgee in New South Wales, in Queensland und im Northern Territory werden Reis und Baumwolle kultiviert. Der Anbau von Zuckerrohr beschränkt sich auf die fruchtbare Küstenregion in Queensland und den Distrikt um den Fluss Richmond in New South Wales. Neben den üblichen Kultur- und Nutzpflanzen werden zahlreiche Obstsorten, darunter Äpfel, Bananen, Trauben, Orangen, Birnen, Ananas und Papayafrüchte gezüchtet. Die bedeutendsten Weinbauregionen befinden sich im Barossa Valley in South Australia, im Hunter Valley in New South Wales und im Nordosten, Süden und Westen von Victoria.

In allen Gebieten, in denen der Anbau von Nutzpflanzen betrieben wird, ist mit Ausnahme der niederschlagsreichsten Regionen Australiens künstliche Bewässerung erforderlich. In mehreren Gegenden stellt jedoch die zunehmende Bodenversalzung eine Gefahr für die Produktion dar.

Forstwirtschaft und Fischerei
Nur noch etwa 20,6 Prozent der australischen Landfläche sind von Wäldern bedeckt (2000). Die meisten kommerziellen Nutzhölzer stammen aus Nadelholzplantagen. In den feuchten Küsten- und Hochlandgürteln liegen die wichtigsten natürlichen Waldgebiete, die vorwiegend aus Eukalypten, also Harthölzern, bestehen. Der Rohstoff Holz wird zur Papierherstellung und Möbelproduktion eingesetzt. Die zu den Eukalypten zählenden Jarrah- und Karri-Bäume, die in Westaustralien heimisch sind, werden vor allem wegen der Beständigkeit ihres Holzes geschätzt. Der Queensland-Ahorn, Walnussbäume und Rosenholz sind vor allem für die Herstellung von Kommoden, Schränken und anderer Möbel sehr begehrt. Etwa 9,4 Millionen Hektar Wald stehen in staatlichen Naturschutzgebieten und sind dauerhaft von der kommerziellen Nutzung ausgenommen. Plantagen, in denen Weichhölzer angepflanzt werden, können den einheimischen Bedarf nicht decken, so dass große Mengen eingeführt werden müssen.

Obwohl Australien von überaus fischreichen Gewässern umgeben ist, in denen über 2 000 Fischarten und eine Vielzahl anderer Meereslebewesen vertreten sind, ist die jährliche Fangmenge mit ungefähr 250 000 Tonnen vergleichsweise gering (1999). Über 50 Prozent des Jahreswertes aller australischen Fischerzeugnisse entfallen auf verschiedene Schalentiere, vor allem Seeohren, Hummer, Garnelen, Austern und Muscheln. Nach Perlen und Kreiselschnecken wird bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts gefischt, und die australischen Ureinwohner handelten schon Jahrhunderte vor der europäischen Besiedlung mit Schneckenhäusern und Muschelschalen, die zum Teil auch als Zahlungsmittel verwendet wurden. Darwin, Broome und die Thursday-Inseln sind heute die wichtigsten Zentren der Perlenfischerei, jedoch sind mittlerweile Zuchtperlen die Grundlage dieser Industrie, die von japanisch-australischen Unternehmen beherrscht wird. Kommerziell vermarktete Fischarten der See sind vor allem Kabeljau, Meeräschen, Barramundi, Makrelen, Weißfische und Thunfische. Australien war bis in die späten siebziger Jahre eine führende Walfangnation, erklärte sich dann jedoch in Übereinstimmung mit internationalen Bemühungen um die Erhaltung der Walpopulation dazu bereit, den größten Teil der Aktivitäten auf diesem Gebiet einzustellen.

Bergbau
Die Bergbauindustrie, die lange Zeit eine bedeutende Rolle für das wirtschaftliche Wachstum Australiens spielte, ist auch für die zukünftige Entwicklung des Landes sehr viel versprechend. Die Entdeckung von Goldvorkommen in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts zog die erste große Einwanderungswelle nach sich und bewirkte so die Besiedlung inneraustralischer Gebiete. Heute fördert Australien die meisten ökonomisch bedeutenden Bodenschätze in ausreichenden Mengen zur Deckung des Eigenbedarfs und für den Export. Einige Bodenschätze können in so großen Mengen gefördert werden, dass das Land in diesen Bereichen eine Führungsrolle auf dem Weltmarkt einnimmt.

In fast allen Bundesstaaten gibt es abbauwürdige mineralische Vorkommen, aber den größten Anteil an der gesamten Fördermenge (37 Prozent) hat Western Australia. Der Produktionswert von Kohle, Erdöl, Erdgas und Erzen wurde 1991 auf etwa 19 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auf Erze entfallen etwa 42 Prozent der Gesamtfördermenge, wobei Gold und Eisenerz hier an vorderster Stelle stehen. Die wichtigsten mineralischen Rohstoffe, die in größerem Umfang gefördert werden, sind Steinkohle, Braunkohle, Bauxit, Kupfer, Gold, Eisenerz, Mangan, Nickel, Zink und Uran.

Australien ist mit ungefähr 12 Prozent an der weltweiten Gesamtfördermenge von Gold beteiligt. Etwa 70 Prozent der australischen Fördermengen stammen aus Western Australia, insbesondere aus den Goldminen in der Nähe von Kalgoorlie. Das Gold wird vor allem nach Singapur, Japan, in die Schweiz und nach Hongkong exportiert. Nach der Entdeckung der riesigen Diamantfelder im Kimberleygebirge in Western Australia im Jahr 1979 ist Australien ausgehend vom Fördervolumen zum weltgrößten Lieferanten für Diamanten geworden und mit 36 Prozent an der Gesamtfördermenge der Welt beteiligt, wobei nahezu die gesamte Menge aus der riesigen Argylemine im Kimberleygebirge stammte. Bei Coober Pedy im Bundesstaat South Australia befindet sich das umfangreichste Opalabbaugebiet der Welt.

Etwa 97 Prozent des in Australien geförderten Eisenerzes stammen aus der Region Pilbara in Western Australia. Eisenerzlagerstätten befinden sich jedoch auch in der Gegend von Iron Knob in South Australia, auf der Kakadu-Insel im Yampi-Sund vor der Küste von Western Australia, im Westen Tasmaniens und in Gippsland in Victoria. Fast die gesamte Fördermenge an Eisenerz wird exportiert. Australien ist heute Japans Hauptlieferant, hat sich aber auch mit China, Deutschland, Korea und Taiwan sehr wichtige Absatzmärkte erschlossen. Die Entdeckung und kommerzielle Nutzung von ungeheuren Bauxitvorkommen ermöglichte Australien in den achtziger Jahren (um 1984), zum weltweit größten Produzenten von Bauxit und aluminiumhaltigen Mineralen sowie zum viertgrößten Hersteller von Aluminium aufzusteigen. Die wichtigsten Förderstätten befinden sich südlich von Perth in Western Australia, auf der Kap-York-Halbinsel in Queensland und auf der Halbinsel Gove im Northern Territory. Wichtige Uranminen sind die Ranger-Mine und die Nabarlek-Mine im Northern Territory sowie Minen bei Olympic Dam in South Australia. Das gesamte Fördervolumen dient dem Export.

Die Vorkommen von Steinkohle mit den damit verbundenen Industrien konzentrieren sich vor allem in New South Wales und Queensland, die jeweils mit etwa 47 Prozent an der australischen Kohlefördermenge beteiligt sind. Die in Victoria geförderte Braunkohle wird vor allem der Strom erzeugenden Industrie zugeführt.

Nickelerz wird in Kambalda, im Südosten von Kalgoorlie, bei Greensvale in Queensland und in der Musgrave-Grenzregion zwischen Western und South Australia sowie im Northern Territory abgebaut. Die wichtigsten Manganlagerstätten sind in Groote Eylandt im Northern Territory zu finden. Zwei Drittel der australischen Gesamtproduktion von Kupfer stammen aus der Region um den Mount Isa in Queensland. In der Gegend um Mount Lyall in Tasmanien und am Tennant Creek im Northern Territory befinden sich weitere Kupfervorkommen. Bedeutende Zinklagerstätten gibt es beispielsweise in Queensland, Tasmanien und New South Wales, wobei Broken Hill (New South Wales) bereits seit über einem Jahrhundert als einer der wichtigsten Produzenten von Zink und Blei dient.

Für Australien bedeutende Öl- und Erdgasvorkommen befinden sich unterseeisch nahe der Küste Victorias (Gippsland-Schelf), dann unweit Carnarvons, vor der Küste von Port Hedland sowie nahe der Barrow-Insel – die letzten drei sind im Bundesstaat Western Australia. Die Rohölgesamtfördermenge betrug 2001 ungefähr 0,74 Millionen Barrel pro Tag.

Industrie
Nach dem 2. Weltkrieg wurde durch den Ausbau bereits bestehender Industriezweige und die Einführung neuer Industrien eine beträchtliche Expansion der Produktionskapazität der verarbeitenden Industrie herbeigeführt. Etwa 22 Prozent aller Beschäftigten sind im industriellen Bereich tätig, 73 Prozent arbeiten im Dienstleistungssektor.

Die Hauptzentren der verarbeitenden Industrie befinden sich in New South Wales, insbesondere in Sydney und Newcastle, und in Victoria, wobei hier besonders das großflächige Ballungsgebiet von Melbourne von wirtschaftlicher Bedeutung ist. Der Staat New South Wales ist vor allem im Bereich der Eisen- und Stahlerzeugung, dem Bau von Düsenflugzeugen, der Herstellung von Baumaschinen und -zubehör, synthetischen Produkten, elektronischen Komponenten, Stromleitungen sowie petrochemischen und Raffinerieerzeugnissen führend. Die Aktivitäten der in Melbourne angesiedelten Industrien fundieren vor allem auf dem Automobil- und Maschinenbau (Komponentenerzeugung und Montage) sowie der Nahrungsmittelerzeugung und Herstellung von Kleidung. Das in der Nähe von Melbourne gelegene Geelong ist vorwiegend für Wollspinnereien und Fahrzeugindustrie bekannt. In South Australia, einem traditionsgemäß auf Weide- und Landwirtschaft spezialisierten Bundesstaat, entstanden nach 1950 u. a. in Adelaide und Whyalla mehrere bedeutende Zentren der verarbeitenden Industrie. Die Städte Brisbane und Townsville in Queensland verfügen ebenfalls über wichtige Niederlassungen dieses Sektors. Die in Tasmanien ansässige Industrie, die von der preiswerten Energieerzeugung durch die Nutzung der Wasserkraft profitiert, umfasst u. a. Elektrolyseanlagen für die Herstellung von reinem Zink und eine große Süßwarenfabrik. Die wichtigsten Standorte der verarbeitenden Industrie in Tasmanien sind Hobart und Launceston.

Tourismus
Der Fremdenverkehrssektor hat seit 1970 infolge der immer preiswerteren und schnelleren Langstreckenflüge und der Expansion des japanischen Marktes ein rapides Wachstum verzeichnen können. Heute gehört die Tourismusbranche zu den Wirtschaftszweigen mit der höchsten Dynamik. Mehr als 4,5 Millionen Gäste aus dem Ausland besuchten 1999 Australien; dies entspricht einem Zuwachs von etwa 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Besucher kommen aus Großbritannien, Irland, Deutschland, den skandinavischen Ländern, Nordamerika und Japan.

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