Verwaltung und Politik
Australien, als parlamentarisch-demokratischer Bundesstaat
konstituiert, ist ein selbständig regierter Staat und Mitglied des Commonwealth
of Nations. Die Verfassung Australiens, die 1901 rechtskräftig wurde, basiert
auf der parlamentarischen Tradition des britischen Mutterlandes, enthält aber
auch Elemente der US-amerikanischen Konstitution. Staatsoberhaupt ist die
britische Königin Elisabeth II., die von einem von ihr ernannten
Generalgouverneur vertreten wird.
Regierungschef ist der australische Premierminister, der sich gegenüber dem
australischen Parlament zu verantworten hat. Die Legislativ- und
Exekutivkompetenzen der bundesstaatlichen Regierungen umfassen die dem Bund
nicht zustehenden Bereiche. Australien ist eines der Gründungsmitglieder der
Vereinten Nationen (United Nations, UN).
Die Bundesstaaten verfügen verfassungsrechtlich mit Ausnahme von Queensland, das
nur ein Einkammerparlament besitzt, über ein Zweikammerparlament. Das Oberhaupt
der britischen Krone wird in jedem Staat durch einen Gouverneur vertreten.
Regierungsangelegenheiten fallen in den Kompetenzbereich eines Kabinetts, dessen
Vorsitz jeweils von einem so genannten Premier geführt wird. In jedem
australischen Staat gibt es mehrere Regierungsbehörden, die u. a. für das
Verkehrs- und Bauwesen, die Instandsetzung von Straßen, Brücken,
Regionalstraßen, für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie für die
Pflege und gegebenenfalls auch Reparatur von Parkanlagen, Bibliotheken,
Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen zuständig sind. Zu diesen Behörden
gehören die Räte der Grafschaften, Bezirksgemeinden und Städte, denen in jedem
Staat im Rahmen der Gesetzgebung zum Teil beträchtliche Autonomie zugestanden
wird.
Exekutive
Die Exekutive liegt formell in der Hand des Generalgouverneurs, der nach
vorheriger Absprache mit dem australischen Premierminister vom Oberhaupt der
britischen Monarchie ernannt wird. Die britische Monarchie besitzt keine
Regierungsgewalt und dient somit nur symbolisch als Staatsoberhaupt. Der
Generalgouverneur handelt nur nach vorhergehender Beratung mit dem Exekutivrat
oder Kabinett, das sich aus allen Staatsministern als Mitgliedern zusammensetzt.
Die praktische Politik des Bundes wird vom Kabinett bestimmt, das unter dem
Vorsitz des Premierministers tagt. Der Premierminister ist außerdem Vorsitzender
der parlamentarischen Mehrheitspartei. Die Minister sind für die einzelnen
Ministerien der Bundesregierung zuständig, deren Verwaltung den fest
angestellten Ministerialbeamten obliegt.
Legislative
Die Legislativgewalt des Bundes liegt bei einem Zweikammerparlament, das
sich aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus zusammensetzt. Der Senat umfasst
76 Mitglieder, wobei jeweils zwölf Senatoren von den sechs Bundesstaaten und
seit 1974 auch je zwei Senatoren von den Bundesgebieten entsendet werden. Alle
Senatoren werden vom Volk nach dem Verhältniswahlrecht mit einer einzigen
übertragbaren Stimme für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Gemäß der
australischen Verfassung soll das Repräsentantenhaus die doppelte Zahl der Sitze
des Senats aufweisen. Die Zahl der von den einzelnen Staaten entsendeten
Abgeordneten ist zur Bevölkerungszahl des jeweiligen Staates proportional, wobei
jedoch jedem Staat mindestens fünf Repräsentanten zustehen. Das Northern
Territory ist durch einen Abgeordneten, das Australian Capital Territory durch
zwei Abgeordnete im Repräsentantenhaus vertreten. Zu Beginn der neunziger Jahre
zählte das Repräsentantenhaus 147 Abgeordnete. Sie werden vom Volk im
Rotationsprinzip für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt. Der Premierminister
ist dazu befugt, den Generalgouverneur um die Auflösung des Repräsentantenhauses
zu ersuchen und jederzeit Neuwahlen zu beantragen. Alle australischen Bürger
erhalten mit Vollendung des 18. Lebensjahres das volle Wahlrecht.
Judikative
An der Spitze des Rechtssystems des Australischen Bundes steht der Oberste
Gerichtshof (Supreme Court), der sich aus einem Oberrichter und sechs weiteren
Richtern zusammensetzt, die vom amtierenden Generalgouverneur ernannt werden.
Der Oberste Gerichtshof ist die oberste Berufungsinstanz und fungiert darüber
hinaus auch als Verfassungsgerichtshof. Darüber hinaus gibt es zwei weitere
Gerichtshöfe auf Bundesebene, den Bundesgerichtshof (Federal Court of Australia)
und den Familiengerichtshof sowie Gerichte der Bundesstaaten und Territorien.
Kommunalverwaltung
Der Australische Bund umfasst sechs Bundesstaaten und zwei Bundesgebiete
(Territorien). Die Staaten und ihre jeweiligen Hauptstädte sind New South Wales
(Sydney), Victoria (Melbourne), Queensland (Brisbane), South Australia
(Adelaide), Western Australia (Perth) und Tasmanien (Hobart), die Territorien
und ihre Hauptstädte sind das Australian Capital Territory (Canberra) und das
Northern Territory (Darwin). 1998 lehnten die Stimmberechtigten des
australischen Northern Territory (NT) den Vorschlag der Regierung, dem
Territorium den Status eines eigenständigen Gliedstaates zu geben, überraschend
ab.
Politische Parteien
Zu den wichtigsten Parteien gehören die Australian Labor Party, die National
Party of Australia, die Liberal Party of Australia und die Australian Democratic
Party. Die Stärke der Labor Party begründet sich vor allem in ihrer
Unterstützung der Gewerkschaftsbewegung. Die politischen Zielsetzungen der
Liberal Party und der National Party stimmen in weiten Teilen überein, so dass
diese beiden Parteien traditionsgemäß eine Koalition bilden.
Landrechte der Aboriginies
Eine der wichtigsten rechtlichen Fragen der letzten Jahre hat sich um die
Problematik der Ansprüche der Aborigines auf Grund und Boden gedreht. Die
Thematik erlangte erstmals in den sechziger Jahren mit der Zunahme des
Aktivismus seitens der australischen Urbevölkerung Bedeutung. Gleichzeitig
verlagerten sich die rechtlichen Ansprüche dieser Bevölkerungsgruppe von der
zunächst geforderten Lohngleichheit mit Europäern hin zu Forderungen nach
Landrechten über Gebiete mit besonderer religiöser, kultureller, geschichtlicher
oder anderweitiger Bedeutung. Die Regierung von South Australia unternahm ab
Mitte der sechziger Jahre Schritte in diese Richtung, während die
Bundesregierung 1976 den so genannten Aboriginal Land Rights Act erließ, der das
Northern Territory betraf. Hierbei handelte es sich jedoch nur um kleine
Zugeständnisse. In den achtziger Jahren nahm der Widerstand gegenüber den
Forderungen der Aborigines innerhalb der bundesstaatlichen Regierungen und
insbesondere bei den Bergbaugesellschaften zu.
Die Interessenverbände der Aborigines blieben jedoch weiterhin aktiv. Im August
1985 legte die Bundesregierung Gesetzentwürfe vor, die der australischen
Urbevölkerung das unveräußerliche Besitzrecht auf Nationalparks, unbebautes Land
und frühere Reservate der Aborigines übertrugen. Im Oktober desselben Jahres
wurde der Fels Uluru, eher unter der europäischen Bezeichnung Ayers Rock
bekannt, offiziell der Gemeinde Mutijulu unter der Bedingung übergeben, dass
auch weiterhin der Zugang zu diesem riesigen Monolith gewährleistet sei.
Infolge starker Einwände seitens der Bergbaugesellschaften und der Staaten, die
traditionsgemäß schon immer ihre Landpolitik individuell gestalten konnten,
verwarf der Bund die geplante Gesetzgebung, was zu Protesten der
Führungspersönlichkeiten der Aborigines führte. Dieser Rückschlag für die
Aborigines traf in den späten achtziger Jahren zeitgleich mit Skandalen
hinsichtlich der unverhältnismäßig hohen Sterberaten von inhaftierten Aborigines
und dem Vorwurf der Korruption zusammen, der der Behörde für Angelegenheiten der
Aborigines galt. 1988 veröffentlichten die Vereinten Nationen einen Bericht, der
Australien beschuldigte, durch die Art und Weise der Behandlung der
australischen Urbevölkerung gegen die internationalen Menschenrechte zu
verstoßen. Ein Bericht einer königlichen Kommission, der im Mai 1991 mit der
Zielsetzung angefertigt wurde, die Todesfälle von Aborigines in polizeilichem
Gewahrsam genauer zu untersuchen und zu hinterfragen, enthielt Beweise für
rassistisches Verhalten der Polizeikräfte und beinhaltete über 300 Empfehlungen
zur Verbesserung des interethnischen Verständnisses und des
Selbstbestimmungsrechtes der Aborigines. Im Juni untersagte die Regierung
dauerhaft sämtliche Bergbauaktivitäten an einer historischen Stätte der
Aborigines im Northern Territory.
Im Juni 1992 erkannte der Oberste Gerichtshof in einem Präzedenzfall das
Bestehen von Ansprüchen auf Land vor der ersten Besiedlung durch die Europäer im
Jahr 1788 an. Das so genannte „Mabo-Urteil” besagte, dass es Aborigines und
Bewohnern der Inseln in der Torresstraße möglich sein sollte, ihren
Rechtsanspruch auf Grund und Boden als Urbewohner geltend zu machen, sofern sie
in der Lage seien, eine „enge und dauerhafte” Beziehung mit dem zur Diskussion
stehenden Gebiet nachzuweisen. Dieser Beschluss entkräftete das Konzept der
terra nullius, also des besitzerlosen Landes, das zur Abweisung von vielen, zu
einem früheren Zeitpunkt von Aborigines eingebrachten Ansprüchen auf Land
geführt hatte. Gleichzeitig bedeutete dies auch, dass fortan das Anspruchsrecht
auf Land nicht nur auf dem australischen Gesetzesrecht fußte, sondern dass
sowohl die Aborigines als auch die Bewohner der Inseln in der Torresstraße als
eigentliche und ursprüngliche Eigentümer des Kontinents anerkannt wurden.
Allerdings sollte das Mabo-Urteil nicht mit den rechtmäßigen Rechtstiteln auf
Land seitens der europäischen und anderen Siedler und deren Nachkommen
kollidieren. 1993 ratifizierte die Bundesregierung den so genannten Native Title
Act, der durch die Errichtung eines Bundesgerichts zur Gültigkeitserklärung
bereits bestehender Rechtstitel auf Land die beiden unterschiedlichen
Rechtsprechungsaspekte in Einklang bringen und Entschädigungszahlungen leisten
sollte, sofern die Ansprüche der Aborigines für bereits erloschen erklärt
wurden. Es wurden vorläufig eine Million US-Dollar für Entschädigungszahlungen
aufgewendet.
Die meisten Staaten übernahmen eine mit dieser Regelung zu vereinbarende
Gesetzgebung, mit Ausnahme von Western Australia, wo die Interessen der
Bergbaugesellschaften besonders stark vertreten sind. Man schätzt, dass bis zu
40 Prozent des gesamten Staatsgebiets letztendlich infolge der Ansprüche im
Rahmen des Native Title Act an Aborigines zurückgegeben werden müssten. Die
Regierung von Western Australia hat dagegen sämtliche Regelungen hinsichtlich
der Rechtsansprüche von Ureinwohnern abgewiesen und sieht jetzt nur noch „Rechte
auf traditionelle Nutzung” des Landes vor. Western Australia prozessierte vor
dem Obersten Gerichtshof gegen die Regierung des Bundes und stellte die
Rechtskraft des aus dem Jahr 1993 stammenden Beschlusses in Frage. Am 16. März
1995 beschloss das Gericht, dass der Native Title Act volle Rechtsgültigkeit
besitze und erklärte die gegensätzliche Gesetzgebung von Western Australia für
verfassungswidrig.
Wirtschaft
Australien ist Mitglied der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organization for Economic
Cooperation and Development, kurz OECD) der führenden Industrienationen. Die
wirtschaftlichen Hauptstützen des Landes sind zum einen der
Dienstleistungssektor und zum anderen der Export von Lebensmitteln, Rohstoffen
sowie verschiedenen Fertigprodukten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 369
Milliarden US-Dollar (2001). Davon entfielen auf den Dienstleistungssektor 70,4
Prozent, auf die Industrie 26,1 Prozent und auf die Landwirtschaft 3,5 Prozent.
Das BIP pro Kopf errechnet sich zu 19 020 US-Dollar. Die Arbeitslosenquote lag
2000 bei 6,4 Prozent.
Die Landwirtschaft und der Bergbau spielten nicht nur in der geschichtlichen
Entwicklung Australiens eine zentrale Rolle, beide gehören auch heute noch zu
den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Obwohl auf die Agrarwirtschaft
weniger als 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen, erzielt dieser Sektor
immerhin gut ein Drittel der gesamten Exporteinnahmen. Australien gehört
weltweit zu den wichtigsten Exportländern für Weizen, Fleisch und Wolle. Allein
bei Wolle erzeugen australische Betriebe über 25 Prozent des Jahresvolumens der
Weltproduktion. Das Land ist einer der größten Rohstofflieferanten der Erde;
exportiert werden z. B. Eisenerz, Bauxit, Gold, Uran und Steinkohle sowie
Kupfer-, Nickel- und Zinkerze. Während die Rohstoffproduktion eine zentrale
Rolle für den australischen Export einnimmt, ist dieser Bereich auf dem
einheimischen Markt in den vergangenen Jahren sehr viel weniger stark gewachsen.
Weil Australien besonders Rohstoffe (vor allem nach Japan) exportiert, ist die
Wirtschaft eng an die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt gekoppelt. Um in diesem
Punkt möglichst unabhängig zu werden, versuchte man durch hohe Investitionen die
Industrie des Landes zu modernisieren und zu diversifizieren. Gegen Ende des 20.
Jahrhunderts machten sich diese Bemühungen positiv bemerkbar.
Landwirtschaft
Obwohl die Landwirtschaft heute hinsichtlich des
Bruttoinlandsprodukts als Wirtschaftsfaktor eine relativ untergeordnete Rolle
spielt und auch für den Arbeitsmarkt keine zentrale Funktion besitzt, ist der
wirtschaftliche Wohlstand weiter Landesteile auch weiterhin von der Viehzucht
und dem Anbau von Kulturpflanzen abhängig. Etwa 5 Prozent der Erwerbstätigen
sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Weidewirtschaft wurde in der
Frühzeit der Besiedlung eingeführt, als die ersten Spanier Merinoschafe aus
Südafrika nach Australien brachten. Heute handelt es sich bei nahezu 90 Prozent
der bewirtschafteten Landflächen um Weideland. Diese Entwicklung spiegelt sich
in der Tatsache wider, dass ein großer Teil der Weideflächen in der halbariden
Klimazone Australiens liegt, auch wenn die Viehzucht in allen fruchtbaren
Gegenden betrieben wird. Etwa ein Drittel der Schafe und ein noch höherer
Prozentsatz aller Rinder werden auf riesigen landwirtschaftlichen Anwesen
gehalten, die in dieser Zone als „Stationen” bezeichnet werden.
Australien ist der weltgrößte Erzeuger und Lieferant von Wolle, besonders der
qualitativ hochwertigen Merinowolle. Die durch die Ausfuhr von Wolle
erwirtschafteten Einkünfte machen heute jedoch weniger als 8 Prozent der
gesamten Exporteinkünfte aus. Infolge von Überproduktion kam es in den späten
achtziger Jahren zu einem beträchtlichen Preisverfall auf dem internationalen
Markt. In den Jahren 1990/91 wurden über zehn Millionen Schafe aus den
Gesamtbeständen geschlachtet, wovon man sich eine Regeneration der Marktpreise
erhoffte. Fast die Hälfte der gesamten Wollproduktion erfolgt in New South Wales
und Western Australia, während Victoria bei der Erzeugung von Lamm- und
Hammelfleisch eine führende Marktposition auf dem inländischen Markt einnimmt.
In allen australischen Bundesstaaten und Bundesgebieten werden Rinder gezüchtet.
Der führende Produzent ist jedoch Queensland, das in den neunziger Jahren etwa
40 Prozent des nationalen Gesamtbestands von 28 768 000 Rindern auf sich
vereinte. In Australien wird sowohl Schlacht- als auch Milchviehwirtschaft
betrieben. Die Aufzucht von Milchvieh beschränkt sich vorwiegend auf die
niederschlagsreichen Küstenregionen und den Südosten des Landes, insbesondere
Victoria. Die landwirtschaftlichen Betriebe wenden in der Regel hochmoderne
Technologien an.
Obwohl nur auf etwa 10 Prozent der gesamten australischen Landfläche Kultur- und
Futterpflanzen angebaut werden, sind diese Bewirtschaftungsgegenden von überaus
großer Bedeutung für die Wirtschaft. Auf etwa 45 Prozent der kultivierten
Nutzflächen wird Weizen angebaut, auf weiteren 20 Prozent andere Getreidearten
und Futterpflanzen. Der Anbau von Weizen wurde auf hochgradig maschinellen
Betrieb umgestellt und findet in allen australischen Staaten statt, konzentriert
sich aber vor allem auf die südöstlichen und südwestlichen Regionen. Die
Jahresproduktion verhielt sich in den letzten Jahren aufgrund der Umorientierung
auf neue, gewinnbringendere Feldfrüchte rückläufig. Etwa 70 Prozent der
Weizenernte werden exportiert. Hafer, Roggen, Gerste, Mais, Ölsamen, Tabak und
Futterpflanzen werden ebenfalls in großem Umfang angebaut. In der
Bewässerungszone am Murrumbidgee in New South Wales, in Queensland und im
Northern Territory werden Reis und Baumwolle kultiviert. Der Anbau von
Zuckerrohr beschränkt sich auf die fruchtbare Küstenregion in Queensland und den
Distrikt um den Fluss Richmond in New South Wales. Neben den üblichen Kultur-
und Nutzpflanzen werden zahlreiche Obstsorten, darunter Äpfel, Bananen, Trauben,
Orangen, Birnen, Ananas und Papayafrüchte gezüchtet. Die bedeutendsten
Weinbauregionen befinden sich im Barossa Valley in South Australia, im Hunter
Valley in New South Wales und im Nordosten, Süden und Westen von Victoria.
In allen Gebieten, in denen der Anbau von Nutzpflanzen betrieben wird, ist mit
Ausnahme der niederschlagsreichsten Regionen Australiens künstliche Bewässerung
erforderlich. In mehreren Gegenden stellt jedoch die zunehmende Bodenversalzung
eine Gefahr für die Produktion dar.
Forstwirtschaft und Fischerei
Nur noch etwa 20,6 Prozent der australischen Landfläche sind von Wäldern bedeckt
(2000). Die meisten kommerziellen Nutzhölzer stammen aus Nadelholzplantagen. In
den feuchten Küsten- und Hochlandgürteln liegen die wichtigsten natürlichen
Waldgebiete, die vorwiegend aus Eukalypten, also Harthölzern, bestehen. Der
Rohstoff Holz wird zur Papierherstellung und Möbelproduktion eingesetzt. Die zu
den Eukalypten zählenden Jarrah- und Karri-Bäume, die in Westaustralien heimisch
sind, werden vor allem wegen der Beständigkeit ihres Holzes geschätzt. Der
Queensland-Ahorn, Walnussbäume und Rosenholz sind vor allem für die Herstellung
von Kommoden, Schränken und anderer Möbel sehr begehrt. Etwa 9,4 Millionen
Hektar Wald stehen in staatlichen Naturschutzgebieten und sind dauerhaft von der
kommerziellen Nutzung ausgenommen. Plantagen, in denen Weichhölzer angepflanzt
werden, können den einheimischen Bedarf nicht decken, so dass große Mengen
eingeführt werden müssen.
Obwohl Australien von überaus fischreichen Gewässern umgeben ist, in denen über
2 000 Fischarten und eine Vielzahl anderer Meereslebewesen vertreten sind, ist
die jährliche Fangmenge mit ungefähr 250 000 Tonnen vergleichsweise gering
(1999). Über 50 Prozent des Jahreswertes aller australischen Fischerzeugnisse
entfallen auf verschiedene Schalentiere, vor allem Seeohren, Hummer, Garnelen,
Austern und Muscheln. Nach Perlen und Kreiselschnecken wird bereits seit Anfang
des 19. Jahrhunderts gefischt, und die australischen Ureinwohner handelten schon
Jahrhunderte vor der europäischen Besiedlung mit Schneckenhäusern und
Muschelschalen, die zum Teil auch als Zahlungsmittel verwendet wurden. Darwin,
Broome und die Thursday-Inseln sind heute die wichtigsten Zentren der
Perlenfischerei, jedoch sind mittlerweile Zuchtperlen die Grundlage dieser
Industrie, die von japanisch-australischen Unternehmen beherrscht wird.
Kommerziell vermarktete Fischarten der See sind vor allem Kabeljau, Meeräschen,
Barramundi, Makrelen, Weißfische und Thunfische. Australien war bis in die
späten siebziger Jahre eine führende Walfangnation, erklärte sich dann jedoch in
Übereinstimmung mit internationalen Bemühungen um die Erhaltung der
Walpopulation dazu bereit, den größten Teil der Aktivitäten auf diesem Gebiet
einzustellen.
Bergbau
Die Bergbauindustrie, die lange Zeit eine bedeutende Rolle für das
wirtschaftliche Wachstum Australiens spielte, ist auch für die zukünftige
Entwicklung des Landes sehr viel versprechend. Die Entdeckung von Goldvorkommen
in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts zog die erste große
Einwanderungswelle nach sich und bewirkte so die Besiedlung inneraustralischer
Gebiete. Heute fördert Australien die meisten ökonomisch bedeutenden
Bodenschätze in ausreichenden Mengen zur Deckung des Eigenbedarfs und für den
Export. Einige Bodenschätze können in so großen Mengen gefördert werden, dass
das Land in diesen Bereichen eine Führungsrolle auf dem Weltmarkt einnimmt.
In fast allen Bundesstaaten gibt es abbauwürdige mineralische Vorkommen, aber
den größten Anteil an der gesamten Fördermenge (37 Prozent) hat Western
Australia. Der Produktionswert von Kohle, Erdöl, Erdgas und Erzen wurde 1991 auf
etwa 19 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auf Erze entfallen etwa 42 Prozent der
Gesamtfördermenge, wobei Gold und Eisenerz hier an vorderster Stelle stehen. Die
wichtigsten mineralischen Rohstoffe, die in größerem Umfang gefördert werden,
sind Steinkohle, Braunkohle, Bauxit, Kupfer, Gold, Eisenerz, Mangan, Nickel,
Zink und Uran.
Australien ist mit ungefähr 12 Prozent an der weltweiten Gesamtfördermenge von
Gold beteiligt. Etwa 70 Prozent der australischen Fördermengen stammen aus
Western Australia, insbesondere aus den Goldminen in der Nähe von Kalgoorlie.
Das Gold wird vor allem nach Singapur, Japan, in die Schweiz und nach Hongkong
exportiert. Nach der Entdeckung der riesigen Diamantfelder im Kimberleygebirge
in Western Australia im Jahr 1979 ist Australien ausgehend vom Fördervolumen zum
weltgrößten Lieferanten für Diamanten geworden und mit 36 Prozent an der
Gesamtfördermenge der Welt beteiligt, wobei nahezu die gesamte Menge aus der
riesigen Argylemine im Kimberleygebirge stammte. Bei Coober Pedy im Bundesstaat
South Australia befindet sich das umfangreichste Opalabbaugebiet der Welt.
Etwa 97 Prozent des in Australien geförderten Eisenerzes stammen aus der Region
Pilbara in Western Australia. Eisenerzlagerstätten befinden sich jedoch auch in
der Gegend von Iron Knob in South Australia, auf der Kakadu-Insel im Yampi-Sund
vor der Küste von Western Australia, im Westen Tasmaniens und in Gippsland in
Victoria. Fast die gesamte Fördermenge an Eisenerz wird exportiert. Australien
ist heute Japans Hauptlieferant, hat sich aber auch mit China, Deutschland,
Korea und Taiwan sehr wichtige Absatzmärkte erschlossen. Die Entdeckung und
kommerzielle Nutzung von ungeheuren Bauxitvorkommen ermöglichte Australien in
den achtziger Jahren (um 1984), zum weltweit größten Produzenten von Bauxit und
aluminiumhaltigen Mineralen sowie zum viertgrößten Hersteller von Aluminium
aufzusteigen. Die wichtigsten Förderstätten befinden sich südlich von Perth in
Western Australia, auf der Kap-York-Halbinsel in Queensland und auf der
Halbinsel Gove im Northern Territory. Wichtige Uranminen sind die Ranger-Mine
und die Nabarlek-Mine im Northern Territory sowie Minen bei Olympic Dam in South
Australia. Das gesamte Fördervolumen dient dem Export.
Die Vorkommen von Steinkohle mit den damit verbundenen Industrien konzentrieren
sich vor allem in New South Wales und Queensland, die jeweils mit etwa 47
Prozent an der australischen Kohlefördermenge beteiligt sind. Die in Victoria
geförderte Braunkohle wird vor allem der Strom erzeugenden Industrie zugeführt.
Nickelerz wird in Kambalda, im Südosten von Kalgoorlie, bei Greensvale in
Queensland und in der Musgrave-Grenzregion zwischen Western und South Australia
sowie im Northern Territory abgebaut. Die wichtigsten Manganlagerstätten sind in
Groote Eylandt im Northern Territory zu finden. Zwei Drittel der australischen
Gesamtproduktion von Kupfer stammen aus der Region um den Mount Isa in
Queensland. In der Gegend um Mount Lyall in Tasmanien und am Tennant Creek im
Northern Territory befinden sich weitere Kupfervorkommen. Bedeutende
Zinklagerstätten gibt es beispielsweise in Queensland, Tasmanien und New South
Wales, wobei Broken Hill (New South Wales) bereits seit über einem Jahrhundert
als einer der wichtigsten Produzenten von Zink und Blei dient.
Für Australien bedeutende Öl- und Erdgasvorkommen befinden sich unterseeisch
nahe der Küste Victorias (Gippsland-Schelf), dann unweit Carnarvons, vor der
Küste von Port Hedland sowie nahe der Barrow-Insel – die letzten drei sind im
Bundesstaat Western Australia. Die Rohölgesamtfördermenge betrug 2001 ungefähr
0,74 Millionen Barrel pro Tag.
Industrie
Nach dem 2. Weltkrieg wurde durch den Ausbau bereits bestehender Industriezweige
und die Einführung neuer Industrien eine beträchtliche Expansion der
Produktionskapazität der verarbeitenden Industrie herbeigeführt. Etwa 22 Prozent
aller Beschäftigten sind im industriellen Bereich tätig, 73 Prozent arbeiten im
Dienstleistungssektor.
Die Hauptzentren der verarbeitenden Industrie befinden sich in New South Wales,
insbesondere in Sydney und Newcastle, und in Victoria, wobei hier besonders das
großflächige Ballungsgebiet von Melbourne von wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Der Staat New South Wales ist vor allem im Bereich der Eisen- und
Stahlerzeugung, dem Bau von Düsenflugzeugen, der Herstellung von Baumaschinen
und -zubehör, synthetischen Produkten, elektronischen Komponenten,
Stromleitungen sowie petrochemischen und Raffinerieerzeugnissen führend. Die
Aktivitäten der in Melbourne angesiedelten Industrien fundieren vor allem auf
dem Automobil- und Maschinenbau (Komponentenerzeugung und Montage) sowie der
Nahrungsmittelerzeugung und Herstellung von Kleidung. Das in der Nähe von
Melbourne gelegene Geelong ist vorwiegend für Wollspinnereien und
Fahrzeugindustrie bekannt. In South Australia, einem traditionsgemäß auf Weide-
und Landwirtschaft spezialisierten Bundesstaat, entstanden nach 1950 u. a. in
Adelaide und Whyalla mehrere bedeutende Zentren der verarbeitenden Industrie.
Die Städte Brisbane und Townsville in Queensland verfügen ebenfalls über
wichtige Niederlassungen dieses Sektors. Die in Tasmanien ansässige Industrie,
die von der preiswerten Energieerzeugung durch die Nutzung der Wasserkraft
profitiert, umfasst u. a. Elektrolyseanlagen für die Herstellung von reinem Zink
und eine große Süßwarenfabrik. Die wichtigsten Standorte der verarbeitenden
Industrie in Tasmanien sind Hobart und Launceston.
Tourismus
Der Fremdenverkehrssektor hat seit 1970 infolge der immer preiswerteren und
schnelleren Langstreckenflüge und der Expansion des japanischen Marktes ein
rapides Wachstum verzeichnen können. Heute gehört die Tourismusbranche zu den
Wirtschaftszweigen mit der höchsten Dynamik. Mehr als 4,5 Millionen Gäste aus
dem Ausland besuchten 1999 Australien; dies entspricht einem Zuwachs von etwa 7
Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Besucher kommen aus Großbritannien,
Irland, Deutschland, den skandinavischen Ländern, Nordamerika und Japan.
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